{"id":4,"date":"2009-05-09T16:13:54","date_gmt":"2009-05-09T15:13:54","guid":{"rendered":"http:\/\/elmer.keinkurt.de\/?p=4"},"modified":"2017-10-07T13:25:54","modified_gmt":"2017-10-07T12:25:54","slug":"auf-den-anfang-kommt-es-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/elmer-herzig.de\/?p=4","title":{"rendered":"Auf den Anfang kommt es an!"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Konrad Elmer-Herzig<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Auf den Anfang kommt es an!<\/strong><\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> <a name=\"sdfootnote1anc\" href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><\/span><\/sup><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Erinnerungen an die Gr\u00fcndung der <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><strong>S<\/strong><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">ozial<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><strong>d<\/strong><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">emokratischen <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><strong>P<\/strong><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">artei in der DDR \u2013<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><strong> <\/strong><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><strong>SDP<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">am 7. Oktober 1989 in Schwante<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">1968 hatte ich den \u201e<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Prager Fr\u00fchling<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">\u201c zusammen mit meinem Studienfreund Oskar Schmidt auf einer Tramptour durch die Tschechoslowakei begeistert miterlebt. <\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_104\" style=\"width: 652px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image1362.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-104\" class=\"size-full wp-image-104 \" title=\"Auf der Tschechischen Seite der Grenze angekommen zeige ich meine erfolgreich durch den Zoll geschmuggelte deut-sche  Fahne, mit der man ohne DDR-Emblem sehr viel erfolgreicher im \u201esozialistischen Ausland\u201c trampen konnte.\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image1362.jpg\" alt=\"\" width=\"642\" height=\"406\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image1362.jpg 642w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image1362-300x189.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 642px) 100vw, 642px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-104\" class=\"wp-caption-text\">Auf der Tschechischen Seite der Grenze angekommen zeige ich meine erfolgreich durch den Zoll geschmuggelte deutsche  Fahne, mit der man ohne DDR-Emblem sehr viel erfolgreicher im \u201esozialistischen Ausland\u201c trampen konnte.<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Nach der Zerschlagung unserer politischen Hoffnung durch die Truppen des Warschauer Pakts warteten wir sehns\u00fcchtig auf einen \u201e<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Prager Fr\u00fchling\u201c <\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">in Moskau. Dann end\u00adlich, so unsere Vorstellung, k\u00f6nnte die erhoffte Demokratisierung des Sozialismus vielleicht doch noch gelingen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">W\u00e4hrend meiner Zeit als Studentenpfarrer der <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Evangelischen Studentengemeinde<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> in Ost-Berlin (ESG, 1982 bis Sommer 1989) stiegen mit den Refor\u00admen Gorbatschows unsere diesbez\u00fcglichen Erwar\u00adtungen. Vielerorts kam es zu politi\u00adschen Ver\u00e4nderungen, nur nicht in der DDR. Im September 1987 gelang uns die erste widerst\u00e4ndige Demonstration im Rahmen des Olof Palme Friedensmarsches. Wir hatten sie getarnt als Friedensprozession von der Zions- zur Eliaskirche. Meine Studenten trugen Plakate mit Aufschriften wie: \u201eFrieden ohne Grenzen\u201c, \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c, \u201eF\u00fcr einen Zivilen Ersatzdienst\u201c und \u00c4hnliches. Als wir damals mit Kerzen in der Hand auf der Sch\u00f6nhauser Allee sangen: \u201eDie Gedanken sind frei\u201c, dachte ich zum ersten Mal: Wenn es gel\u00e4nge diesen Demonstrationszug zum Alexanderplatz umzulenken und sich die Bev\u00f6lkerung anschlie\u00dfen w\u00fcrde, dann k\u00f6nnte die Revolution beginnen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_105\" style=\"width: 646px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image137.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105\" class=\"size-full wp-image-105\" title=\"Demonstrationen in Karlsbad w\u00e4hrend der Invasion des Warschauer Pakts\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image137.jpg\" alt=\"\" width=\"636\" height=\"470\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image137.jpg 636w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image137-300x221.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 636px) 100vw, 636px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-105\" class=\"wp-caption-text\">Demonstrationen in Karlsbad w\u00e4hrend der Invasion des Warschauer Pakts<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Als Studentenpfarrer hatte ich Kontakt zu verschiedenen op\u00adpositionellen Gruppen. Dort wurden Missst\u00e4nde angeprangert und Forderun\u00adgen aufgestellt. Was mir fehlte, war ein Konzept zur Durchsetzung dieser Vorstellungen. Wie kann die SED entmachtet werden, und in welchen demokratischen Strukturen wollen wir zuk\u00fcnftig leben? Intensive politi\u00adsche Diskussionen erlebte ich im Freundeskreis um Jens Reich und im Philosophie\u00adkreis meiner Studentengemeinde. Dort war Richard Schr\u00f6der h\u00e4ufiger Gast und brachte Texte von Ro\u00adbert Spaemann und Hannah Arendt mit. Er pl\u00e4dierte daf\u00fcr, als ersten Reformschritt den Kommunen die Finanzhoheit zur\u00fcckzu\u00adgeben. Au\u00dferdem versuchte er, unsere Bedenken gegen\u00fcber dem Gro\u00dfkapital zu zerstreuen. Der Profit w\u00fcrde nur zu einem geringen Teil in den privaten Verbrauch der An\u00adteilseigner flie\u00dfen. Zum gr\u00f6\u00dften Teil k\u00e4me er der Erweiterung der Produktion zu\u00adgute. Auf der anderen Seite brauche man im Gegensatz zur marxistischen Ideologie auch in Zu\u00adkunft einen starken Staat, der die <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Naturw\u00fcchsigkeit<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> der Wirtschaft in die richtigen Bahnen lenkt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Im Februar 1989 war ich von meinem Kollegen Martin Hofmeister in sein B\u00fcro, zu einer konspirativen Diskussionsrunde mit Eckhardt Barthel und weiteren Sch\u00f6neberger SPD-Leuten eingeladen. Beim hektischen Auseinandergehen, da die Westberliner bis Mitternacht die DDR verlassen mussten, \u00e4u\u00dferte ich das erste Mal: \u201eWir m\u00fcssen eine Partei gr\u00fcnden.\u201c<\/span><sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a name=\"sdfootnote2anc\" href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Dass es sich dabei um eine sozialdemokratische handeln w\u00fcrde, lag nicht nur wegen der Gespr\u00e4chspartner nahe. Schon immer sympathisierten wir mit der Partei Willy Brandts, dessen neue Ostpolitik wir begr\u00fc\u00dften. Auch hatte sich mein Vater nach dem Krieg in der SPD engagiert, bis er nach der Zwangsvereinigung aus der SED geworfen wurde. Sein Vergehen bestand darin, dass er als th\u00fcringischer Forstmeister um einer nachhaltigen Forstwirtschaft willen gegen die die Waldverj\u00fcngung ruinierende Waldweide der Einwohner mit ihren Schafen und Ziegen opponiert hatte. Das wurde als unproletarisches Verhalten ausgelegt und kostete ihm die bereits in Aussicht gestellte Professur an der forstlichen Hochschule in Eberswalde. Im Zusammenhang des Mauerbaus  wurden wir 1961 aus dem Grenzgebiet im S\u00fcdharz zwangsweise umgesiedelt, nachdem mein Vater als Naturschutzbeauftragter es gewagt hatte, an den dortigen General zu schreiben, ob es nicht m\u00f6glich w\u00e4re, im Naturschutzgebiet einen nur halb so breiten Grenzstreifen in die W\u00e4lder zu schlagen. Solche famili\u00e4ren Erfahrungen haben mich nachhaltig staatskritisch gepr\u00e4gt. Ebenso pr\u00e4gte mich das \u00f6kologische Engagement meines Vaters, der im Alter darauf hinweisen konnte, dass jeder 3. Baum im S\u00fcdharz nur deshalb dort noch steht, weil es ihm zu DDR-Zeiten gelungen war, diesen Laubwald als Naturschutzgebiet einzustufen, ein Status, der mit der Deutschen Einheit den Lobbyisten der Kalkindustrie zum Opfer fiel. <\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_106\" style=\"width: 647px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image138.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-106\" class=\"size-full wp-image-106\" title=\"Plakate, wie man sie am Tag der Invasion \u00fcberall in der Tschechoslowakai fotografieren konnte.\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image138.jpg\" alt=\"\" width=\"637\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image138.jpg 637w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image138-300x126.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 637px) 100vw, 637px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-106\" class=\"wp-caption-text\">Plakate, wie man sie am Tag der Invasion \u00fcberall in der Tschechoslowakai fotografieren konnte.<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Mit gro\u00dfem Interesse las ich 1988 Hannah Arendts Buch <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>\u00dcber die Revolution. <\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Mich beeindruckte ihre <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Leidenschaft f\u00fcr politische Freiheit<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> und f\u00fcr <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>das<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Gl\u00fcck im \u00d6ffentlichen<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">; dass n\u00e4mlich \u201ekeiner \u201agl\u00fccklich\u2019 genannt werden kann, der nicht an \u00f6ffentlichen Angelegenheiten teilnimmt, dass niemand frei ist, der nicht aus Erfahrung wei\u00df, was \u00f6ffentliche Freiheit ist, und dass niemand frei oder gl\u00fccklich ist, der keine Macht hat, n\u00e4mlich keinen Anteil an \u00f6ffentlicher Macht.\u201c<\/span><sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a name=\"sdfootnote3anc\" href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Erst in der gemeinsa\u00admen Vergewisserung \u00fcber das, was ist, so Hannah Arendt,  gestaltet sich f\u00fcr uns die Wirklichkeit und das, was wir politisch wollen. Daher brauchen wir das Ge\u00adspr\u00e4ch in \u00fcberschaubaren diskussionsf\u00e4higen Gruppen. Mit anderen Worten, wir brauchen eine Staatsform, die an ihrer Basis, wie Rosa Luxemburgs R\u00e4tedemokratie aus lauter <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Runden Tischen <\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">besteht. Diese werden durch \u00fcbergeordnete, gewisserma\u00dfen \u201edar\u00fcber gestellte\u201c Tische<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>,<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> an denen die Delegierten die Vorschl\u00e4ge der unteren Ebene beraten, zusammengefasst. Das geht so weiter bis zum obersten Runden Tisch, dem \u201eBundesrat\u201c. Eine derartige Struktur erm\u00f6glicht es allen Beteiligten, das Gl\u00fcck der freien politischen Bet\u00e4tigung im \u00f6ffentlichen Raum zu finden, statt, um mit Biermann zu reden, \u201ewie Vieh regiert zu werden\u201c. Mit Hannah Arendt teilte ich die Abnei\u00adgung gegen\u00fcber der Hegelschen Geschichtskonzeption und den ihr entsprechenden marxistischen<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em> Gesetzen der Ge\u00adschichte<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">. Vor allem lernte ich bei ihr, dass es m\u00f6glich sei, neue Anf\u00e4nge zu setzen, ohne nach einer R\u00fcckversiche\u00adrung zu fragen. Warum also kein neuer Anfang jetzt, ohne externe Legitimation, statt, wie damals das <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Neue Forum,<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> erst noch auf eine ordentliche Anerkennung durch die DDR-Staatsmacht zu hoffen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_107\" style=\"width: 651px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image139.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-107\" class=\"size-full wp-image-107\" title=\"Mein Freund Oskar Schmidt zeigt auf die zynischen Plakate, mit denen wir vom Prager Fr\u00fchling in die DDR  zur\u00fcckkommend gleich hinter der Grenze empfangen wurden.\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image139.jpg\" alt=\"\" width=\"641\" height=\"481\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image139.jpg 641w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image139-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 641px) 100vw, 641px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-107\" class=\"wp-caption-text\">Mein Freund Oskar Schmidt zeigt auf die zynischen Plakate, mit denen wir vom Prager Fr\u00fchling in die DDR  zur\u00fcckkommend gleich hinter der Grenze empfangen wurden.<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">In dieser Stimmungslage zeigte mir Propst Furian im Zusammenhang des Beginns meiner neuen T\u00e4tigkeit als Dozent an der Berliner Predigerschule <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Paulinum<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> am 29. August 1989 im Ev. Konsi\u00adstorium Berlin-Brandenburg eine Kopie des von Martin Gutzeit, Arndt Noack, Markus Meckel und Ibrahim B\u00f6hme unterzeichneten <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Aufruf<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">s<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em> zur Bildung einer Initiativgruppe, mit dem Ziel eine sozialdemokratische Partei in der DDR ins Leben zu rufen.<\/em><\/span><sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a name=\"sdfootnote4anc\" href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">War das die Erf\u00fcllung meiner politischen Tr\u00e4ume?  Martin Gutzeit kannte ich als Assistent von Richard Schr\u00f6der an der Ostberliner kirchlichen Hochschule, dem <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Sprachenkonvikt<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">, das meine Frau als <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Ephora<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> leitete. Arndt Noack war mein Studentenpfarrerkollege in Greifswald. Markus Meckel und den sp\u00e4ter als IM enttarnten Ibrahim B\u00f6hme kannte ich noch nicht. Einige Tage \u00fcberlegte ich, ob ich von meiner politischen Idealvorstellung einer <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>repr\u00e4sentativen R\u00e4tedemokratie<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Abstand nehmen sollte. Dann wurde mir klar, dass, selbst wenn uns diese in Ostdeutschland gelingen w\u00fcrde, wir als der kleinere Teil Deutschlands dies bei einer sp\u00e4teren Vereinigung mit Westdeutschland nicht gegen die dort etablierte Parteiendemokratie w\u00fcrden durchsetzen k\u00f6nnen. Als dann auch noch meine Tochter Lydia \u00e4u\u00dferte: So lange wie ihr warte ich nicht auf die Demokratisierung des Sozialismus; im Dezember werde ich vollj\u00e4hrig; dann stelle ich meinen Ausreiseantrag; da wusste ich, jetzt musst du etwas tun, wenn all die M\u00fchen des durchhaltenden Wartens auf bessere Zeiten &#8211; mein Freund Oskar Schmidt war l\u00e4ngst in den Westen ausgereist &#8211; nicht umsonst gewesen sein sollten. In der Nacht zum 11. September \u00f6ffneten sich in Ungarn die Tore gen We\u00adsten. Da war mir klar, die Tage der SED-Herrschaft sind gez\u00e4hlt, die Macht wird bald schon auf der Stra\u00dfe liegen, jetzt m\u00fcssen wir uns vorbe\u00adreiten, diese zu ergreifen. Und so griff ich zum H\u00f6rer, um Arndt Noack meine Mitarbeit anzubieten. <\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_108\" style=\"width: 578px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image140.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-108\" class=\"size-full wp-image-108\" title=\"Markus Meckel und Arndt Noack in Schwante\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image140.jpg\" alt=\"\" width=\"568\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image140.jpg 568w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image140-300x229.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-108\" class=\"wp-caption-text\">Markus Meckel und Arndt Noack in Schwante<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Daraufhin lud mich Martin Gutzeit Mitte September zu einer konspirativen Sitzung in seine Wohnung ein. Au\u00dfer mir waren hinzugeladen: Steffen Reiche, Angelika Barbe und Reiner R\u00fchle. Ein erster Beschluss bestand darin &#8211; ich besitze noch ein entsprechendes Beglaubigungsschreiben von Martin Gutzeit &#8211; dass wir vier Hinzugekommenen an die Stelle der Erstunterzeichner treten sollten, falls die Staatssicherheit sie aus dem Verkehr z\u00f6ge. Dann wurden die Aufgaben verteilt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Ich bewarb mich um die Erstellung des Statuts, da f\u00fcr mich die innerparteiliche Demokratie das alles Entscheidende war, w\u00e4hrend sozialdemokratische Grunds\u00e4tze nicht unbedingt noch einmal neu erfunden werden mussten. Nicht so sehr die Unf\u00e4higkeit einzelner Menschen, sondern die zentralistischen Strukturen der DDR waren m. E. die Hauptursache unserer Misere. Wenn ich schon nicht Rosas und Hannahs R\u00e4tedemokratie zum Zuge bringen konnte, so wollte ich wenigstens innerpartei\u00adlich ein paar zus\u00e4tzliche antizentralistische Strukturelemente einbauen. Hofmeisters besorgten mir ein Statut der SPD<\/span><sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a name=\"sdfootnote5anc\" href=\"#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">. Auch war mir mein Nachbar, Klaus-Dieter Kaiser, damals Leiter der Gesch\u00e4ftsstelle der Evangelischen Studentengemeinden in der DDR, ein wichtiger Gespr\u00e4chspartner. Wir wollten einerseits der immer noch m\u00e4chtigen SED mit einer starken Struktur in Gestalt einer Partei begegnen, andererseits sollte durch basisdemokratische Strukturelemente verhindert werden, dass die zu gr\u00fcndende Partei zum blo\u00dfen Kanzlerwahlverein verkommen k\u00f6nnte.<\/span><sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a name=\"sdfootnote6anc\" href=\"#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Und so schrieb ich auf dem von meinem westdeutschen Freund Hans-Otto Hebbinghaus bei mir, Nordendstr. 61B, gerade noch rechtzeitig eingetroffenen <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Atari<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">-Computer in den ersten Entwurf des Organisationsstatuts der <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>SDP<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">: <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">\u00a7 3 \u00bbDie Grunds\u00e4tze des basisdemokrati\u00adschen Strukturaufbaus sind gespr\u00e4chsf\u00e4hige Gruppen (10-20 Personen) auf allen Ebenen.\u00ab <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">\u00a7 10 \u00bbBei \u00dcbernahme eines Staatsamtes oder Mandats sind alle Parteifunktionen niederzulegen und ruht das passive Wahlrecht.\u00ab <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">\u00a7 20  \u00bbJeder Delegierte ist jederzeit, wenn es die ihn delegierende Gruppe w\u00fcnscht, zur Rechenschaft verpflichtet\u00ab<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">In der Endfassung \u00a7 17 \u00bbHat jemand ein Parteiamt acht Jahre inne, kann er nur noch mit 2\/3-Mehrheit f\u00fcr dieses Amt wiedergew\u00e4hlt werden.\u00ab <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Bei der n\u00e4chsten konspirativen Sit\u00adzung gab es Streit mit Markus \u00fcber derart basisdemokratische Elemente. Da ich bei meiner Meinung blieb, beauftragte er Martin Gutzeit, in Zusammenarbeit mit mir dem Organisationsstatut die wichtigsten sozialdemokratischen Grunds\u00e4tze voranzustellen. Dass die so entstandenen \u00a7 1-10 der Endfassung des Organisationsstatuts<\/span><sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a name=\"sdfootnote7anc\" href=\"#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> ein nachtr\u00e4glich eingef\u00fcgter Fremdk\u00f6rper sind, zeigt sich schon daran, dass diese Paragrafen, abgesehen von meinem dort verankerten basisdemokratischen Grundsatz \u00a7 4, 3. Satz: \u00bbDie Parteiarbeit beruht auf der von der Basis ausgehenden und alle Ebenen von dort her bestimmenden innerparteilichen Demokratie.\u00ab, nichts mit Organisation zu tun haben. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Als Gr\u00fcn\u00addungstermin schien uns der 7. Oktober besonders geeignet. So w\u00fcrde deutlich sichtbar, dass der durch Zwangsvereinigung erfolgten Gr\u00fcndung vor 40 Jahren jetzt eine freiheitliche Gr\u00fcndung folgt. Au\u00dferdem w\u00fcrde die Stasi zum 40. Jahrestag in Berlin gebunden sein. Zur Tar\u00adnung sprachen wir gegen\u00fcber anderen Personen von einem sp\u00e4teren Datum. Als Ort schlug Steffen Reiche sein Pfarrhaus in Christienendorf vor. Als wir erfuhren, wie der Versuch, den <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Demokratischen Aufbruch <\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">zu gr\u00fcnden,<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em> <\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">durch die Stasi verhindert wurde, suchten wir nach einem anderen Ort. Da ein Gasthaus eher zur Gr\u00fcndung einer sozialdemokratischen Partei passen w\u00fcrde, bat ich meinen Nachbarn, Torsten Hilse, er m\u00f6ge zu meinem Studienfreund Pfarrer Gerhard Gabriel nach Gr\u00fcneberg fahren und ihn bitten, beim \u00f6rtlichen Gastwirt unsere, wenn n\u00f6tig als Familienfeier zu tarnende SDP-Gr\u00fcndung anmelden. Das geeignete Hinterzimmer im Gasthaus <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Drei Linden<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> kannte ich von der ein Jahr zuvor dort stattgefundenen Feier zum 50. Geburtstag meines \u201eDoktorvaters\u201c Wolf Kr\u00f6tke. Dem Risiko, anschlie\u00dfend verhaftet zu werden, wollte Gabriel seinen Gastwirt und Gemeindekirchenratsmitglied, Uwe Fialkowski, jedoch nicht aussetzen. So wurde die Gr\u00fcndung ins Pfarrhaus von Pfarrer Joachim K\u00e4hler nach Schwante verlegt. Vorsichtshal\u00adber beschlossen wir, niemandem den Ortsnamen laut mitzuteilen, sondern den Gr\u00fcndungsort un\u00adseren Leuten lediglich auf einer Landkarte zu zeigen. Diese Geheimhaltung funktionierte insofern, als die Berliner Kirchenbeauftragte, Helms, noch  am 4. Oktober auf der falschen F\u00e4hrte war. Denn sie zitierte meine Frau zum Rat des Stadtbezirks Mitte, um ihr vorzuhalten, man habe zuverl\u00e4ssige Informationen, dass am Wochenende unter meiner Beteiligung im Sprachenkonvikt eine sozialdemokratische Partei gegr\u00fcndet w\u00fcrde. Insgeheim hatten wir, f\u00fcr den Fall, dass die Stasi die ordentliche Gr\u00fcndung am 7. Oktober verhindern w\u00fcrde, am 2. Oktober mit unseren Unterschriften sowie denen von Reiner Hartmann, Gotthard Lemke, Dankwart Brinksmeier und Joachim G\u00f6rtz bereits eine provisorische Gr\u00fcndung vollzogen und diese Urkunde bei befreundeten Journalisten hinterlegt. Da ich annahm, dass wir nach der Gr\u00fcndung festgenommen und alle Unterlagen kon\u00adfisziert w\u00fcrden, versuchte ich am Abend des 6. Oktober, wichtige Dokumente, meinen Computer und die Disketten bei einem Freund unterzubringen. Dem war das zu hei\u00df. Nach anderen vergeb\u00adlichen Versuchen fuhr ich zu Bischof Gottfried Forck. Sofort willigte er ein, und wir versteckten al\u00adles im Keller seines Hauses. <\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_109\" style=\"width: 577px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image141.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-109\" class=\"size-full wp-image-109\" title=\"Konrad Elmer, die Gr\u00fcndungsversammlung der SDP in Schwante leitend, im Hintergrund Angelika Barbe\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image141.jpg\" alt=\"\" width=\"567\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image141.jpg 567w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image141-300x232.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 567px) 100vw, 567px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-109\" class=\"wp-caption-text\">Konrad Elmer, die Gr\u00fcndungsversammlung der SDP in Schwante leitend, im Hintergrund Angelika Barbe<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Um f\u00fcr die hinreichende Repr\u00e4sentanz von Frauen bei unserer Gr\u00fcndung zu sorgen, hatte ich tags zuvor noch kurzer Hand Carola Gabler, eine mir bis dahin unbekannte Sekret\u00e4rin der Evangelischen Kirche der Union angesprochen, ob auch sie vielleicht bei der Gr\u00fcndung einer sozialdemokratischen Partei mitmachen wolle. Sofort sagte sie zu, was mir h\u00e4tte zu denken geben m\u00fcssen. Am Morgen des 7. Oktober fuhr ich zusammen mit ihr, die 14 Tage sp\u00e4ter, nachdem sie unser Gr\u00fcndungsprotokoll geschrieben hatte, spurlos verschwand (!), zum S-Bahnhof Pankow-Heiners\u00addorf, um Thomas Kr\u00fcger und Sabine Leger abzuholen. Da bemerkten wir einen uns verfolgenden Lada. Auch Umwege \u00fcber Seitenstra\u00dfen halfen nicht, ihn abzusch\u00fctteln. Wir sa\u00dfen in der Falle. Entweder w\u00fcrden wir der Stasi den Gr\u00fcndungsort verraten, oder der Versammlung w\u00fcrden wichtige Papiere fehlen, hatte ich doch die Kopien der Gesch\u00e4ftsordnung und des Statuts in meiner Aktentasche. Schon bereute ich, entgegen Markus Meckels Rat die letzte Nacht zu Haus verbracht zu haben. Da kam mir folgende Idee: Ich hielt an der letzten Oranien\u00adburger Tankstelle, um mir das \u00f6rtliche Telefonbuch geben zu lassen. Darin fand ich die Adresse von Superintendent Naumann. Bei ihm angekommen \u00fcberlegten wir, wie wir den Lada loswerden k\u00f6nnten. Naumann entwickelte einen Plan. Wir sollten am Ufer der Havel entlang bis zu einer Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke fahren. Er w\u00fcrde auf der anderen Seite mit seinem Trabi auf uns warten. So geschah es. Thomas Kr\u00fcger blieb, um die Stasi zu binden, im Wagen. Wir anderen drei rannten \u00fcber die Br\u00fccke, ein Mann aus dem Lada hinter uns her, doch konnte er nur noch Naumanns Num\u00admernschild notieren. Sicherheitshalber wechselten wir kurz danach in den Pkw eines von Naumann bestellten Gemeindekirchen\u00adrats, der uns unbeobachtet nach Schwante brachte.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_110\" style=\"width: 631px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image142.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-110\" class=\"size-full wp-image-110\" title=\"Auf der Treppe  zum Garten hinter dem Pfarrhaus von Schwante, links Frank Bogisch und Simone Manz, 6. v. links Gerd D\u00f6hling, 9. Harald Seidel, daneben Dankwart Brinksmeier, mit Bart Gotthard Lemke und Reiner Hartmann sowie Steffen Reiche, hinter ihm Oliver Richter, vor ihm Stefan Finger, dahinter mit Bart Torsten Hilse, hinter ihm rechts Johannes Richter, davor Arno Behrend, ganz vorn Joachim G\u00f6rtz, dahinter Arndt Noack, ganz rechts Konrad Elmer,  im T\u00fcrrahmen links Reinhardt K\u00e4hler, rechts im T\u00fcrrahmen, ins Haus blickend, Martin Gutzeit.\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image142.jpg\" alt=\"\" width=\"621\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image142.jpg 621w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image142-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 621px) 100vw, 621px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-110\" class=\"wp-caption-text\">Auf der Treppe  zum Garten hinter dem Pfarrhaus von Schwante, links Frank Bogisch und Simone Manz, 6. v. links Gerd D\u00f6hling, 9. Harald Seidel, daneben Dankwart Brinksmeier, mit Bart Gotthard Lemke und Reiner Hartmann sowie Steffen Reiche, hinter ihm Oliver Richter, vor ihm Stefan Finger, dahinter mit Bart Torsten Hilse, hinter ihm rechts Johannes Richter, davor Arno Behrend, ganz vorn Joachim G\u00f6rtz, dahinter Arndt Noack, ganz rechts Konrad Elmer,  im T\u00fcrrahmen links Reinhardt K\u00e4hler, rechts im T\u00fcrrahmen, ins Haus blickend, Martin Gutzeit.<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Ibrahim B\u00f6hme er\u00f6ffnete die aus etwa 50 Teilnehmern bestehende Gr\u00fcndungsversammlung und stellte mich als den Versammlungsleiter vor. Im Hintergrund lief eine Videokamera. Markus hielt sein Grundsatzreferat, dann beschlossen wir die Gesch\u00e4fts- und Tagesordnung. Danach wurden die Grunds\u00e4tze des Statuts, \u00a7 1-10 diskutiert.<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Als auch diese beschlossen waren und die Diskussion um die mir so wichtige Parteistruktur beginnen sollte, erkl\u00e4rte Markus, wir m\u00fcssten jeden Moment mit dem Eintreffen der Polizei rechnen. Deswegen sollten wir die Gr\u00fcndung sofort voll\u00adziehen. Die Parteistruktur k\u00f6nne man sp\u00e4ter im\u00admer noch beschlie\u00dfen. Leider folgte die Versammlung diesem Man\u00f6ver und mein innerparteilicher Strukturaufbau erhielt, abgesehen von dem bereits beschlossenen basisdemokratischen Grundsatz in \u00a7 4, damals lediglich den Charakter einer Empfehlung. Nach dem Verlesen der entsprechenden Urkunde, wurde die <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Gr\u00fcndung der SDP<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> durch Abstimmung und Unterschrift von etwa 40 Teilnehmern auf drei Exemplaren des Gr\u00fcndungstextes vollzogen. Als dann auch die Wahl des 15-k\u00f6pfi\u00adgen Vorstands abgeschlossen war, machte sich Erleichterung breit, und wir stellten uns einem Gr\u00fcndungsfoto.<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\"> <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Steffen Reiche brachte eine Kopie der Gr\u00fcndungsurkunde zu westdeutschen Pressevertretern nach Ostberlin und ein Kurier schleuste die Videokassette nach Westberlin, so dass bereits in der <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Tagesschau<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> unsere Gr\u00fcndung gesendet werden konnte.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_112\" style=\"width: 626px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image143.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-112\" class=\"size-full wp-image-112\" title=\"links mit Bart Stephan Hilsberg, dahinter Johannes Richter, davor Arno Behrend, daneben Torsten Hilse im Gespr\u00e4ch mit Konrad Elmer vorne rechts Ibrahim B\u00f6hme dahinter Arndt Noack, Simone Manz u. Joachim G\u00f6rtz\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image143.jpg\" alt=\"\" width=\"616\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image143.jpg 616w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image143-300x213.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 616px) 100vw, 616px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-112\" class=\"wp-caption-text\">links mit Bart Stephan Hilsberg, dahinter Johannes Richter, davor Arno Behrend, daneben Torsten Hilse im Gespr\u00e4ch mit Konrad Elmer vorne rechts Ibrahim B\u00f6hme dahinter Arndt Noack, Simone Manz u. Joachim G\u00f6rtz<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Nun war von uns Vorstandsmitgliedern nur noch der gesch\u00e4ftsf\u00fchren\u00adde Vorstand zu w\u00e4hlen. Merkw\u00fcrdigerweise wollte B\u00f6hme nicht f\u00fcr den Posten des ersten Sprechers kandidieren. So kam es zur Stichwahl zwischen Markus und Stephan Hilsberg. Letzterer erhielt die meisten Stimmen, weil er, wenn auch eines Pfarrers Sohn, kein Pfarrer war. Markus wurde zweiter Sprecher zusammen mit Angelika Barbe, B\u00f6hme wurde Ge\u00adsch\u00e4ftsf\u00fchrer und Gerd D\u00f6hling Schatz\u00admeister.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Als wir heimfuhren und ich in Oranienburg meinen offen stehenden Trabi abholte, konnte ich es im\u00admer noch nicht fassen, dass wir 43 Jahre nach der Zwangsvereinigung die Sozialdemokratische Partei in der DDR neu gegr\u00fcndet hatten. H\u00e4tten wir gewusst, dass das so relativ problemlos gelingen w\u00fcrde&#8230; Zu Hause angekommen wartete ich darauf, verhaftet zu werden. Stattdessen wurde unser Haus von einem Lada bewacht. Am n\u00e4chsten Morgen klopfte ich an die Fensterscheibe der mich freundlich anl\u00e4chelnden vier Herren um ihnen vorzuschlagen, dass sie der Staatskasse doch eine Menge Spritgeld sparen k\u00f6nnten. Die SDP-Gr\u00fcndung sei n\u00e4mlich abgeschlossen und wir f\u00fchren heute lediglich privat zu meiner Schw\u00e4gerin nach Genthin. \u00c4hnlich dem Selbstverst\u00e4ndnis Mielkes, \u201e<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Ich liebe Euch doch alle\u201c, <\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">lautete ihre Antwort: <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>\u201eWir besch\u00fctzen Sie ja nur\u201c<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">. Tats\u00e4chlich verfolgten sie mich nun nicht mehr. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Als ich am 9. Oktober in den Nachrichten erfuhr, dass bei der gro\u00dfen Leipziger Montagsdemonstration nicht geschossen wurde, war mir klar: Jetzt haben wir gewonnen! Und so werde ich nicht m\u00fcde, diesen Tag als den eigentlichen Feiertag der deutschen Einheit zu empfehlen. Wie bereits Dresden den 8. Oktober, so k\u00f6nnte Plauen und Berlin wegen entsprechender Demonstrationen den 7. Oktober zum regionalen Feiertag der Friedlichen Revolution erkl\u00e4ren.<\/span><sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a name=\"sdfootnote8anc\" href=\"#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> So w\u00fcrde deutlicher als bisher festgehalten, dass es die durch unsere Revolution errungene Freiheit war, welche die Mauer zum Einsturz brachte und den Weg zur Deutschen Einheit erm\u00f6glichte. <\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_113\" style=\"width: 636px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image144.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-113\" class=\"size-full wp-image-113\" title=\"Pressekonferenz der SDP mit Konrad Elmer, Angelika Barbe, Stephan Hilsberg, Ibrahim B\u00f6hme und Martin Gutzeit\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image144.jpg\" alt=\"\" width=\"626\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image144.jpg 626w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image144-300x207.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 626px) 100vw, 626px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-113\" class=\"wp-caption-text\">Pressekonferenz der SDP mit Konrad Elmer, Angelika Barbe, Stephan Hilsberg, Ibrahim B\u00f6hme und Martin Gutzeit<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Nun galt es, den Aufbau der <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>SDP<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> unter schwierigen Bedingungen \u2013 ich besa\u00df, DDR-\u00fcblich, nicht einmal einen Telefonanschluss &#8211; voranzutreiben. So telefonierte ich zwischen meinen Vorlesungen vom Paulinum aus zu Verwandten, Freunden und Bekannten, um Kontaktpersonen zu gewinnen, die unsere Papiere verbreiteten. Manchen Freunden nachdem ich sie in die Kontaktadressenliste aufgenommen hatte, erging es \u00e4hnlich, wie meinem Schulfreund Karlheinz Engelhardt aus Gro\u00dfbodungen, in dessen Kalibergwerksbetrieb, alsbald eine Betriebsparteigruppensondersitzung mit dem einzigen Tagesordnungspunkt einberufen wurde: \u201eDer Klassenfeind hat sich enttarnt!\u201c Auch verteilten meine T\u00f6chter mit Eifer das Statut, Lydia an ihrer Theresien- und Julia an der Schliemannschule, bis sie aufgrund einer diesbez\u00fcglichen Anzeige ihrer Klassenlehrerin am 11. Oktober aus der Schule heraus verhaftet und, ohne uns zu benachrichtigen, sechs Stunden lang \u00fcber die konspirative Arbeit ihres Vaters verh\u00f6rt wurde. Jeden Abend erg\u00e4nzte und kopierte ich die SDP-Kontakt-Adressenliste nebst Statut, zuerst als Blaudruck, sp\u00e4ter mit Hilfe von Wachsmatrizen in der Gesch\u00e4ftsstelle der ESG, um sie in die Lande zu verschicken. Dem Bedarf war kaum nachzukommen. Eigentlich h\u00e4tte ich damals meinen Beruf aufgeben, mit dem Trabi in meine Heimat nach Th\u00fcringen fahren und jeden Abend in einer anderen Stadt die <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>SDP<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> gr\u00fcnden sollen. Denn wer zuerst kam, zu dem kamen die politisch interessierten Leute. Noch aber war die Entscheidung, Berufspolitiker zu werden, nicht gefallen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die wichtigste Frage der meisten Sympathisanten lautete: M\u00fcssen wir wirklich eine Partei gr\u00fcnden? K\u00f6n\u00adnen wir nicht die Form der B\u00fcr\u00adgerbewegung, die informellen Gruppen beibehalten? An der Beantwortung dieser Frage spaltete sich die Op\u00adpositionsbewegung des Herbstes `89. Als die Gruppen merkten, dass auch sie eine partei\u00e4hn\u00adliche Organisationsform finden m\u00fcssen, war ein Zusammenkommen nicht mehr m\u00f6glich, zumal durch pers\u00f6n\u00adliche Differenzen zwischen Rainer Eppel\u00admann und B\u00e4rbel Bohley sich die B\u00fcrgerbe\u00adwegung ins Neue Forum und den Demokratischen Aufbruch spaltete.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">In der breiten \u00d6ffentlichkeit wurde die <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>SDP<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> zum einen durch die schon l\u00e4nger beantragte fr\u00fche Reise Steffen Reiches nach Westdeutschland und seine Gespr\u00e4che mit der SPD-F\u00fchrung, zum anderen durch die Berliner Gro\u00dfdemonstration am 4. Novem-ber auf dem Alexanderplatz bekannt. Aufgrund meiner Intervention beim Chefb\u00fchnenbildner der Deutschen Staatsoper Wilfried Werz, mit dessen Tochter meine Lydia befreundet war, bekam die SDP in letzter Minute einen Platz auf der dortigen Rednerliste. Diesen bot ich B\u00f6hme an. Er lehnte jedoch ab und bat mich, dort f\u00fcr die <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>SDP<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> zu sprechen. Als es so weit war, hatten die anderen Redner die geplante Redezeit bereits verbraucht. Ulrike Poppe und mir wurde signalisiert, dass unsere Beitr\u00e4ge wegfallen m\u00fcssten. Ich legte mein Redemanuskript beiseite und antwortete Henning Schaller, hier m\u00fcsse doch wenigstens noch ein Wort zur Mitschuld der DDR an der Nieder\u00adschlagung des <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Prager Fr\u00fchlings<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> gesagt werden. Das leuchtete ihm ein, und so konnte ich als mein Herzensanliegen den abertausend Demonstranten zurufen: \u201e&#8230;Wir Sozialdemokraten werden jede zuk\u00fcnftige Regierung daran messen, ob sie hier (im Blick auf die Mitwirkung unserer alten Regierung an der Niederschlagung des <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Prager Fr\u00fchlings<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">) zu einem wirklichen Schuldbekenntnis f\u00e4hig ist\u2026\u201c<\/span><sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a name=\"sdfootnote9anc\" href=\"#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Am 5. November organisierten wir in der Sophienkirche die Gr\u00fcndung der Ostberli\u00adner SDP. Zu meiner Freude beschloss die Versammlung gegen das Votum von B\u00f6hme meine basisdemokratische Parteistruktur. \u00c4hnliches gelang auf dem Leipziger Parteitag bei der Verabschiedung des endg\u00fcltigen Organisationsstatuts. So wurde am Begriff <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>Basisgruppe<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> festgehalten und der \u00c4mterh\u00e4u\u00adfung durch entsprechende Verhaltensregeln Einhalt geboten. Zudem statteten wir den Parteirat mit gr\u00f6\u00dferen Kom\u00adpetenzen aus, als das im Statut der westdeutschen SPD vorgesehen war. Sp\u00e4ter in den Vereinigungsverhandlungen konnte ich als Verm\u00e4chtnis von Schwante im gemeinsamen Statut der Bundes-SPD gegen\u00fcber Erich Bettermann und Hans-Jochen Vogel die Wendung durchsetzen,   \u00a7 8 (1): Es \u201evollzieht sich die politische Willensbildung der Partei <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>von unten nach oben<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">.\u201c<\/span><sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a name=\"sdfootnote10anc\" href=\"#sdfootnote10sym\"><sup>10<\/sup><\/a><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Und so w\u00fcrde es nicht schaden, wenn im 20. Jahr nach der Gr\u00fcndung die Vielen da unten die Wenigen da oben mal wieder an diesen Satz erinnerten! <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Ausgerechnet am Tag des Mauerfalls bekam ich das Visum f\u00fcr eine Reise zum Parteitag der SPD in Frankfurt am Main. So zeigte sich, im Nachhinein betrachtet, gleich nach dem Mauerfall geradezu symbolisch, wohin die Reise ging und von wo aus uns in <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">wohlwollender F\u00fcrsorge die errungene Macht zum Gro\u00dfteil wieder abgenommen wurde. Kaum wieder zu Hause angekommen, mahnte mein theologischer Lehrer Wolf Kr\u00f6tke, wir sollten unsere Aktivit\u00e4ten st\u00e4rker als bisher auf das Ziel der Deutschen Einheit richten. Und so bekannten wir uns am <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">3. Dezember in einer Erkl\u00e4rung des Vorstands der SDP zur Einheit der deutschen Nation, welche von beiden deutschen Staaten gestaltet werden sollte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Bereits auf der Berliner Delegierten\u00adkonferenz am 12.\/13. Ja\u00adnuar 1990 wurde die <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><em>SDP<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> in SPD umbenannt. Damit sollte verhindert werden, dass die SED-PDS m\u00f6glicherweise<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> selbst mit diesem Namen uns im Wahlkampf gegen\u00fcbertreten k\u00f6nnte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">F\u00fcr den 14. Januar 1990 hatte ich eine Demonstration zum Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht angeregt, um der SED-PDS den diesbez\u00fcglichen Alleinvertretungsanspruch streitig zu machen. In meiner von Walter Momper sogleich ver\u00f6ffentlichten Rede kann man schmunzelnd S\u00e4tze wie diese lesen: \u201eDas ganze Deutschland braucht die Sozialdemokratie der DDR\u2026, denn wo ist sie da dr\u00fcben schon zu finden, die parit\u00e4tische Mitbestimmung in den Gro\u00dfbetrieben? K\u00f6nnten da nicht wir, wenn uns die Sache hier gelingt, sp\u00e4ter den Sozialdemokraten dort unter die Arme greifen?\u201c<\/span><sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a name=\"sdfootnote11anc\" href=\"#sdfootnote11sym\"><sup>11<\/sup><\/a><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Und so enden meine fr\u00fcheren Erinnerungen von 1991 mit folgenden Gedanken: \u201eIch glaube, dass die Sozialdemokra\u00adtie in Deutschland an den basisdemokra\u00adtischen Impulsen von Rosa Luxemburg und Hannah Arendt nicht mehr vor\u00ad\u00fcbergehen kann, sondern wir diese in der innerparteilichen Struktur mehr und mehr zum Zuge bringen werden, und dass man sich dabei an die Anf\u00e4nge von Schwante erinnern wird, an jenen Ort, wo keine Wendeh\u00e4lse ihren Vorteil such\u00adten, sondern unerschrockene Menschen einen neuen Anfang wagten. Denn auf den Anfang kommt es an!\u201c<\/span><sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a name=\"sdfootnote12anc\" href=\"#sdfootnote12sym\"><sup>12<\/sup><\/a><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\">Dr. Konrad Elmer-Herzig\t\t\t\t      \t         Potsdam, den  9. 10. 2009 <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\">Nansenstr. 6, 14471 Potsdam <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\">Tel.: 0331-9512904 <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\">www.elmer-herzig.de <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"mailto:elmer-herzig@gmx.de\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\">elmer-herzig@gmx.de<\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\"> <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\"> <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\"> <\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p><a name=\"sdfootnote1sym\" href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a> Pr\u00e4zisierte Fassung meiner gleichnamigen Erinnerungen in: Die Neue \tGesellschaft. Frankfurter Hefte, Februar 1991, S. 136-140. Vgl. Auf \tden Anfang kommt es an: Sozialdemokratischer Neubeginn in der DDR \t1989, Interviews und Analysen, Hrsg. W. Herzberg; P. v. zur M\u00fchlen, \tBonn: Dietz 1993.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p><a name=\"sdfootnote2sym\" href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a> Interview von Horst Uebelg\u00fcnn mit Renate Hofmeister. In: 20 Jahre \tSPD, Wiedergr\u00fcndung der SPD in Lichtenberg und Hohensch\u00f6nhausen, \tHrsg.  SPD Lichtenberg, Berlin 2009, S. 16.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p><a name=\"sdfootnote3sym\" href=\"#sdfootnote3anc\">3<\/a> Hannah Arendt, On Revolution, New York 1963, \u00dcber die Revolution, \tSerie Pieper 1974, S. 162ff u. 319ff<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p><a name=\"sdfootnote4sym\" href=\"#sdfootnote4anc\">4<\/a> http:\/\/www.ddr89.de\/ddr89\/sdp\/SDP23.html<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p><a name=\"sdfootnote5sym\" href=\"#sdfootnote5anc\">5<\/a> s. Anm.2.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p><a name=\"sdfootnote6sym\" href=\"#sdfootnote6anc\">6<\/a> Vgl. K. Elmer, Innerparteiliche R\u00e4tedemokratie \u2013 Zwischen \tBasis-Ideologie und Kanzlerwahlverein. Unerledigte Anfragen aus dem \tStatut der SDP. In: Vorw\u00e4rts, r\u00fcckw\u00e4rts, seitw\u00e4rts&#8230;Hrsg. P. v. \tOertzen, SPW-Vlg. 1991.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p><a name=\"sdfootnote7sym\" href=\"#sdfootnote7anc\">7<\/a> Statut der SDP v. 7. 10. 1989, \thttp:\/\/www.ddr89.de\/ddr89\/sdp\/SDP23.html.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p><a name=\"sdfootnote8sym\" href=\"#sdfootnote8anc\">8<\/a>Konrad \tHoppe berichtete in unserem Philosophiekreis: Hans-Georg Ponesky \thabe zur vorgezogenen 40-Jahrfeier in Potsdam am 4. Oktober  in der \tSporthalle mit mehreren Ch\u00f6ren ein Potpourri veranstaltet, zu \tdessen Kr\u00f6nung er die versammelten SED-Genossen mit voller Inbrunst \tsingen lies: \u201e <em>Oh du lieber Augustin\u2026 alles ist hin\u201c!<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p><a name=\"sdfootnote9sym\" href=\"#sdfootnote9anc\">9<\/a> 4. 11. 89. Protestdemonstration Berlin DDR. Hrsg. A. Hahn, G. \tPucher, H. Schaller, L. Scharsich, Berlin 1990, S. 201.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p><a name=\"sdfootnote10sym\" href=\"#sdfootnote10anc\">10<\/a> Vgl. K. Elmer, Vor- und Wirkungsgeschichte des Organisationsstatuts \tder SDP. In: Von der B\u00fcrgerbewegung zur Partei. Die Gr\u00fcndung der \tSozialdemokratie in der DDR. Diskussionsforum im Berliner Reichstag \tam 7. Oktober 1992. Hrsg. D. Dowe, Forschungsinstitut der \tFriedrich-Ebert-Stiftung. Gespr\u00e4chskreis Geschichte, H. 3, Bonn \t1993.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p><a name=\"sdfootnote11sym\" href=\"#sdfootnote11anc\">11<\/a> K. Elmer, Rede auf der Kundgebung zum Gedenken an Rosa Luxemburg und \tKarl Liebknecht und an die Opfer von Militarismus, Faschismus und \tStalinismus am 14. Januar 1990 in Berlin.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p><a name=\"sdfootnote12sym\" href=\"#sdfootnote12anc\">12<\/a> s. oben Anm. 1, S. 140.<\/p>\n<\/div>\n<p><!--[if gte mso 10]>\n<mce:style><!   \/* Style Definitions *\/  table.MsoNormalTable \t{mso-style-name:\"Normale Tabelle\"; \tmso-tstyle-rowband-size:0; \tmso-tstyle-colband-size:0; \tmso-style-noshow:yes; \tmso-style-parent:\"\"; \tmso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; \tmso-para-margin:0cm; \tmso-para-margin-bottom:.0001pt; \tmso-pagination:widow-orphan; \tfont-size:10.0pt; \tfont-family:\"Times New Roman\"; \tmso-ansi-language:#0400; \tmso-fareast-language:#0400; \tmso-bidi-language:#0400;}  ><\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\"><! [endif] ><\/div>\n\n\n\n\n<div class=\"MsoNormal\" style=\"margin-left: 108pt;\" mce_style=\"margin-left: 108pt;\" mce_tmp=\"1\"><span style=\"font-size: 13pt; line-height: normal;\" mce_style=\"font-size: 13pt; line-height: normal;\"><span> <\/span>Konrad Elmer-Herzig<\/span><b style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\" mce_style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\">\n<\/b><\/div>\n\n\n\n\n<h1 style=\"text-align: left;\" mce_style=\"text-align: left;\"><b> Auf den Anfang kommt es an!<\/b><! [if !supportFootnotes] ><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 13pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\" mce_style=\"font-size: 13pt; font-family: &amp;quot;Times New Roman&amp;quot;;\">[1]<\/span><\/span><\/h1>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">Erinnerungen an die Gr\u00fcndung der<b> S<\/b>ozial<b>d<\/b>emokratischen <b>P<\/b>artei in der DDR \u2013 <b>SDP<\/b>\nam 7. Oktober 1989 in Schwante<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">1968 hatte ich den \u201ePrager Fr\u00fchling\u201c zusammen mit meinem Studienfreund Oskar Schmidt auf einer Tramptour durch die Tschechoslowakei begeistert miterlebt.<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">\n\n\n<div class=\"mceTemp\" draggable>\n\n<dl id=\"attachment_104\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 652px\"> \n\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-104\" title=\"Auf der Tschechischen Seite der Grenze angekommen zeige ich meine erfolgreich durch den Zoll geschmuggelte deut-sche  Fahne, mit der man ohne DDR-Emblem sehr viel erfolgreicher im \u201esozialistischen Ausland\u201c trampen konnte.\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image1362.jpg\" mce_src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image1362.jpg\" alt=\"Auf der Tschechischen Seite der Grenze angekommen zeige ich meine erfolgreich durch den Zoll geschmuggelte deut-sche  Fahne, mit der man ohne DDR-Emblem sehr viel erfolgreicher im \u201esozialistischen Ausland\u201c trampen konnte.\" width=\"642\" height=\"406\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image1362.jpg 642w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image1362-300x189.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 642px) 100vw, 642px\" \/><\/dt>\n\n \n\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Auf der Tschechischen Seite der Grenze angekommen zeige ich meine erfolgreich durch den Zoll geschmuggelte deut-sche  Fahne, mit der man ohne DDR-Emblem sehr viel erfolgreicher im \u201esozialistischen Ausland\u201c trampen konnte.<\/dd>\n\n <\/dl>\n\n<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">Nach der Zerschlagung unserer politischen Hoffnung durch die Truppen des Warschauer Pakts warteten wir sehns\u00fcchtig auf einen \u201ePrager Fr\u00fchling\u201c in Moskau. Dann endlich, so unsere Vorstellung, k\u00f6nnte die erhoffte Demokratisierung des Sozialismus vielleicht doch noch gelingen.\nW\u00e4hrend meiner Zeit als Studentenpfarrer der Evangelischen Studentengemeinde in Ost-Berlin (ESG, 1982 bis Sommer 1989) stiegen mit den Refor-men Gorbatschows unsere diesbez\u00fcglichen Erwar-tungen. Vielerorts kam es zu politischen Ver\u00e4nderungen, nur nicht in der DDR. Im September 1987 gelang uns die erste widerst\u00e4ndige Demonstration im Rahmen des Olof Palme Friedensmarsches. Wir hatten sie getarnt als Friedensprozession von der Zions- zur Eliaskirche. Meine Studenten trugen Plakate mit Aufschriften wie: \u201eFrieden ohne Grenzen\u201c, \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c, \u201eF\u00fcr einen Zivilen Ersatzdienst\u201c und \u00c4hnliches. Als wir damals mit Kerzen in der Hand auf der Sch\u00f6nhauser Allee sangen: \u201eDie Gedanken sind frei\u201c, dachte ich zum ersten Mal: Wenn es gel\u00e4nge diesen Demonstrationszug zum Alexanderplatz umzulenken und sich die Bev\u00f6lkerung anschlie\u00dfen w\u00fcrde, dann k\u00f6nnte die Revolution beginnen.<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">\n\n\n<div class=\"mceTemp\" draggable>\n\n<dl id=\"attachment_105\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 646px\"> \n\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-105\" title=\"Demonstrationen in Karlsbad w\u00e4hrend der Invasion des Warschauer Pakts\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image137.jpg\" mce_src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image137.jpg\" alt=\"Demonstrationen in Karlsbad w\u00e4hrend der Invasion des Warschauer Pakts\" width=\"636\" height=\"470\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image137.jpg 636w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image137-300x221.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 636px) 100vw, 636px\" \/><\/dt>\n\n \n\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Demonstrationen in Karlsbad w\u00e4hrend der Invasion des Warschauer Pakts<\/dd>\n\n <\/dl>\n\n<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">Als Studentenpfarrer hatte ich Kontakt zu verschiedenen oppositionellen Gruppen. Dort wurden Missst\u00e4nde angeprangert und Forderun-gen aufgestellt. Was mir fehlte, war ein Konzept zur Durchsetzung dieser Vorstellungen. Wie kann die SED entmachtet werden, und in welchen demokratischen Strukturen wollen wir zuk\u00fcnftig leben? Intensive politische Diskussionen erlebte ich im Freundeskreis um Jens Reich und im Philosophiekreis meiner Studentengemeinde. Dort war Richard Schr\u00f6der h\u00e4ufiger Gast und brachte Texte von Robert Spaemann und Hannah Arendt mit. Er pl\u00e4dierte daf\u00fcr, als ersten Reformschritt den Kommunen die Finanzhoheit zur\u00fcckzugeben. Au\u00dferdem versuchte er, unsere Bedenken gegen\u00fcber dem Gro\u00dfkapital zu zerstreuen. Der Profit w\u00fcrde nur zu einem geringen Teil in den privaten Verbrauch der Anteilseigner flie\u00dfen. Zum gr\u00f6\u00dften Teil k\u00e4me er der Erweiterung der Produktion zugute. Auf der anderen Seite brauche man im Gegensatz zur marxistischen Ideologie auch in Zu-kunft einen starken Staat, der die Naturw\u00fcchsigkeit der Wirtschaft in die richtigen Bahnen lenkt.\nIm Februar 1989 war ich von meinem Kollegen Martin Hofmeister in sein B\u00fcro, Konrad-Wolf-Str. 71A, zu einer konspirativen Diskussionsrunde mit Eckhardt Barthel und weiteren Sch\u00f6neberger SPD-Leuten eingeladen. Beim hektischen Auseinandergehen, da die Westberliner bis Mitternacht die DDR verlassen mussten, \u00e4u\u00dferte ich das erste Mal: \u201eWir m\u00fcssen eine Partei gr\u00fcnden.\u201c <b>[2]<\/b> Dass es sich dabei um eine sozialdemokratische handeln w\u00fcrde, lag nicht nur wegen der Gespr\u00e4chspartner nahe. Schon immer sympathisierten wir mit der Partei Willy Brandts, dessen neue Ostpolitik wir begr\u00fc\u00dften. Auch hatte sich mein Vater nach dem Krieg in der SPD engagiert, bis er nach der Zwangsvereinigung aus der SED geworfen wurde. Sein Vergehen bestand darin, dass er als th\u00fcringischer Forstmei-ster um einer nachhaltigen Forstwirtschaft willen gegen die die Waldverj\u00fcngung ruinierende Waldweide der Einwohner mit ihren Schafen und Ziegen opponiert hatte. Das wurde als unproletarisches Verhalten ausgelegt und kostete ihm die bereits in Aussicht gestellte Professur an der forstlichen Hochschule in Eberswalde. Im Zusammenhang des Mauerbaus\u00a0 wurden wir 1961 aus dem Grenzgebiet im S\u00fcdharz zwangsweise umgesiedelt, nachdem mein Vater als Naturschutzbeauftragter es gewagt hatte, an den dortigen Gene-ral zu schreiben, ob es nicht m\u00f6glich w\u00e4re, im Naturschutzgebiet einen nur halb so breiten Grenzstreifen in die W\u00e4lder zu schlagen. Solche famili\u00e4ren Erfahrungen haben mich nachhaltig staatskritisch gepr\u00e4gt.<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">\n\n\n<div class=\"mceTemp\" draggable>\n\n<dl id=\"attachment_106\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 647px\"> \n\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-106\" title=\"Plakate, wie man sie am Tag der Invasion \u00fcberall in der Tschechoslowakai fotografieren konnte.\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image138.jpg\" mce_src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image138.jpg\" alt=\"Plakate, wie man sie am Tag der Invasion \u00fcberall in der Tschechoslowakai fotografieren konnte.\" width=\"637\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image138.jpg 637w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image138-300x126.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 637px) 100vw, 637px\" \/><\/dt>\n\n \n\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Plakate, wie man sie am Tag der Invasion \u00fcberall in der Tschechoslowakai fotografieren konnte.<\/dd>\n\n <\/dl>\n\n<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">Mit gro\u00dfem Interesse las ich 1988 Hannah Arendts Buch \u00dcber die Revolution. Mich beeindruckte ihre Leidenschaft f\u00fcr politische Freiheit und f\u00fcr das Gl\u00fcck im \u00d6ffentlichen; dass n\u00e4mlich \u201ekeiner \u201agl\u00fccklich\u2019 genannt werden kann, der nicht an \u00f6ffentlichen Angelegenheiten teilnimmt, dass niemand frei ist, der nicht aus Erfahrung wei\u00df, was \u00f6ffentliche Freiheit ist, und dass niemand frei oder gl\u00fccklich ist, der keine Macht hat, n\u00e4mlich keinen Anteil an \u00f6ffentlicher Macht.\u201c <b>[3]<\/b> Erst in der gemeinsamen Vergewisserung \u00fcber das, was ist, so Hannah Arendt,\u00a0 gestaltet sich f\u00fcr uns die Wirklichkeit und das, was wir politisch wollen. Daher brauchen wir das Gespr\u00e4ch in \u00fcberschaubaren diskussionsf\u00e4higen Gruppen. Mit anderen Worten, wir brauchen eine Staatsform, die an ihrer Basis, wie Rosa Luxemburgs R\u00e4tedemokratie aus lauter Runden Tischen besteht. Diese werden durch \u00fcbergeordnete, gewisserma\u00dfen \u201edar\u00fcber gestellte\u201c Tische, an denen die Delegierten die Vorschl\u00e4ge der unteren Ebene beraten, zusammengefasst. Das geht so weiter bis zum obersten Runden Tisch, dem \u201eBundesrat\u201c. Eine derartige Struktur erm\u00f6glicht es allen Beteiligten, das Gl\u00fcck der freien politischen Bet\u00e4tigung im \u00f6ffentlichen Raum zu finden, statt, um mit Biermann zu reden, \u201ewie Vieh regiert zu werden\u201c. Mit Hannah Arendt teilte ich die Abneigung gegen\u00fcber der Hegelschen Geschichtskonzeption und den ihr entsprechenden marxistischen Gesetzen der Geschichte. Vor allem lernte ich bei ihr, dass es m\u00f6glich sei, neue Anf\u00e4nge zu setzen, ohne nach einer R\u00fcckversicherung zu fragen. Warum also kein neuer Anfang jetzt, ohne externe Legitimation, statt, wie damals das Neue Forum, erst noch auf eine ordentliche Anerkennung durch die DDR-Staatsmacht zu hoffen.<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">\n\n\n<div class=\"mceTemp\" draggable>\n\n<dl id=\"attachment_107\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 651px\"> \n\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-107\" title=\"Mein Freund Oskar Schmidt zeigt auf die zynischen Plakate, mit denen wir vom Prager Fr\u00fchling in die DDR  zur\u00fcckkommend gleich hinter der Grenze empfangen wurden.\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image139.jpg\" mce_src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image139.jpg\" alt=\"Mein Freund Oskar Schmidt zeigt auf die zynischen Plakate, mit denen wir vom Prager Fr\u00fchling in die DDR  zur\u00fcckkommend gleich hinter der Grenze empfangen wurden.\" width=\"641\" height=\"481\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image139.jpg 641w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image139-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 641px) 100vw, 641px\" \/><\/dt>\n\n \n\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Mein Freund Oskar Schmidt zeigt auf die zynischen Plakate, mit denen wir vom Prager Fr\u00fchling in die DDR  zur\u00fcckkommend gleich hinter der Grenze empfangen wurden.<\/dd>\n\n <\/dl>\n\n<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">In dieser Stimmungslage zeigte mir Propst Furian im Zusammenhang des Beginns meiner neuen T\u00e4tigkeit als Dozent an der Berliner Predigerschule Paulinum am 29. August 1989 im Ev. Konsistorium Berlin-Brandenburg eine Kopie des von Martin Gutzeit, Arndt Noack, Markus Meckel und Ibrahim B\u00f6hme unterzeichneten Aufrufs zur Bildung einer In-itiativgruppe, mit dem Ziel eine sozialdemokratische Partei in der DDR ins Leben zu rufen <b>[4]<\/b>.\nWar das die Erf\u00fcllung meiner politischen Tr\u00e4ume?\u00a0 Martin Gutzeit kannte ich als Assistent von Richard Schr\u00f6der an der Ostberliner kirchlichen Hochschule, dem Sprachenkonvikt, das meine Frau als Ephora leitete. Arndt Noack war mein Studentenpfarrerkollege in Greifswald. Markus Meckel und den sp\u00e4ter als IM enttarnten Ibrahim B\u00f6hme kannte ich noch nicht. Einige Tage \u00fcberlegte ich, ob ich von meiner politischen Idealvorstellung einer repr\u00e4sentativen R\u00e4tedemokratie Abstand nehmen sollte. Dann wurde mir klar, dass, selbst wenn uns diese in Ostdeutschland gelingen w\u00fcrde, wir als der kleinere Teil Deutschlands dies bei einer sp\u00e4teren Vereinigung mit Westdeutschland nicht gegen die dort etablierte Parteiendemokratie w\u00fcrden durchsetzen k\u00f6nnen. Als dann auch noch meine Tochter Lydia \u00e4u\u00dferte: So lange wie ihr warte ich nicht auf die Demokratisierung des Sozialismus; im Dezember werde ich vollj\u00e4hrig; dann stelle ich meinen Ausreiseantrag; da wusste ich, jetzt musst du etwas tun, wenn all die M\u00fchen des durchhaltenden Wartens auf bessere Zeiten - mein Freund Oskar Schmidt war l\u00e4ngst in den Westen ausgereist - nicht umsonst gewesen sein sollten. In der Nacht zum 11. September \u00f6ffneten sich in Ungarn die Tore gen Westen. Da war mir klar, die Tage der SED-Herrschaft sind gez\u00e4hlt, die Macht wird bald schon auf der Stra\u00dfe liegen, jetzt m\u00fcssen wir uns vorbereiten, diese zu ergreifen. Und so griff ich zum H\u00f6rer, um Arndt Noack meine Mitarbeit anzubieten.<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">\n\n\n<div class=\"mceTemp\" draggable>\n\n<dl id=\"attachment_108\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 578px\"> \n\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-108\" title=\"Markus Meckel und Arndt Noack in Schwante\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image140.jpg\" mce_src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image140.jpg\" alt=\"Markus Meckel und Arndt Noack in Schwante\" width=\"568\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image140.jpg 568w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image140-300x229.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/><\/dt>\n\n \n\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Markus Meckel und Arndt Noack in Schwante<\/dd>\n\n <\/dl>\n\n<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">Daraufhin lud mich Martin Gutzeit Mitte September zu einer konspirativen Sitzung in seine Wohnung ein. Au\u00dfer mir waren hinzugeladen: Steffen Reiche, Angelika Barbe und Reiner R\u00fchle. Ein erster Beschluss bestand darin - ich besitze noch ein entsprechendes Beglaubigungsschreiben von Martin Gutzeit - dass wir vier Hinzugekommenen an die Stelle der Erstunterzeichner treten sollten, falls die Staatssicherheit sie aus dem Verkehr z\u00f6ge. Dann wurden die Aufgaben verteilt.\nIch bewarb mich um die Erstellung des Statuts, da f\u00fcr mich die innerparteiliche Demokratie das alles Entscheidende war, w\u00e4hrend sozialdemokratische Grunds\u00e4tze nicht unbedingt noch einmal neu erfunden werden mussten. Nicht so sehr die Unf\u00e4higkeit einzelner Menschen, sondern die zentralistischen Strukturen der DDR waren m. E. die Hauptursache unserer Misere. Wenn ich schon nicht Rosas und Hannahs R\u00e4tedemokratie zum Zuge bringen konnte, so wollte ich wenigstens innerpartei-lich ein paar zus\u00e4tzliche antizentralistische Strukturelemente einbauen. Hofmeisters besorgten mir ein Statut der SPD<b> [5] <\/b>. Auch war mir mein Nachbar, Klaus-Dieter Kaiser, damals Leiter der Gesch\u00e4ftsstelle der Evangelischen Studentengemeinden in der DDR, ein wichtiger Gespr\u00e4chspartner. Wir wollten einerseits der immer noch m\u00e4chtigen SED mit einer starken Struktur in Gestalt einer Partei begegnen, andererseits sollte durch basisdemokratische Strukturelemente verhindert werden, dass die zu gr\u00fcndende Partei zum blo\u00dfen Kanzlerwahlverein <b>[6]<\/b> verkommen k\u00f6nnte.\u00a0 Und so schrieb ich auf dem von meinem westdeutschen Freund Hans-Otto Heb-binghaus bei mir, Nordendstr. 61B, gerade noch rechtzeitig eingetroffenen Atari-Computer in den ersten Entwurf des Organisationsstatuts der SDP:\n\u00a7 3 \u00bbDie Grunds\u00e4tze des basisdemokrati-schen Strukturaufbaus sind gespr\u00e4chsf\u00e4hige Gruppen (10-20 Personen) auf allen Ebenen.\u00ab\n\u00a7 10 \u00bbBei \u00dcbernahme eines Staatsamtes oder Mandats sind alle Parteifunktionen niederzulegen und ruht das passive Wahlrecht.\u00ab\n\u00a7 20\u00a0 \u00bbJeder Delegierte ist jederzeit, wenn es die ihn delegierende Gruppe w\u00fcnscht, zur Rechenschaft verpflichtet\u00ab\nIn der Endfassung \u00a7 17 \u00bbHat jemand ein Parteiamt acht Jahre inne, kann er nur noch mit 2\/3-Mehrheit f\u00fcr dieses Amt wiedergew\u00e4hlt werden.\u00ab\nBei der n\u00e4chsten konspirativen Sitzung gab es Streit mit Markus \u00fcber derart basisdemokratische Elemente. Da ich bei meiner Meinung blieb, beauftragte er Martin Gutzeit, in Zusammenarbeit mit mir dem Organisationsstatut<b> <\/b> die wichtigsten sozialdemokratischen Grunds\u00e4tze voranzustellen. Dass die so entstandenen \u00a7 1-10 der Endfassung des Organisationsstatuts <b>[7]<\/b> ein nachtr\u00e4glich eingef\u00fcgter Fremdk\u00f6rper sind, zeigt sich schon daran, dass diese Paragrafen, abgesehen von meinem dort verankerten basisdemokratischen Grundsatz \u00a7 4, 3. Satz: \u00bbDie Parteiarbeit beruht auf der von der Basis ausgehenden und alle Ebenen von dort her bestimmenden innerparteilichen Demokratie.\u00ab, nichts mit Organisation zu tun haben.\nAls Gr\u00fcndungstermin schien uns der 7. Oktober besonders geeignet. So w\u00fcrde deutlich sichtbar, dass der durch Zwangsvereinigung erfolgten Gr\u00fcndung vor 40 Jahren jetzt eine freiheitliche Gr\u00fcndung folgt. Au\u00dferdem w\u00fcrde die Stasi zum 40. Jahrestag in Berlin gebunden sein. Zur Tarnung sprachen wir gegen\u00fcber anderen Personen von einem sp\u00e4teren Datum. Als Ort schlug Steffen Reiche sein Pfarrhaus in Christienendorf vor. Als wir erfuhren, wie der Versuch, den Demokratischen Aufbruch zu gr\u00fcnden, durch die Stasi verhindert wurde, suchten wir nach einem anderen Ort. Da ein Gasthaus eher zur Gr\u00fcndung einer sozialdemokratischen Partei passen w\u00fcrde, bat ich meinen Nachbarn, Torsten Hilse, er m\u00f6ge zu meinem Studienfreund Pfarrer Gerhard Gabriel nach Gr\u00fcneberg fahren und ihn bitten, beim \u00f6rtlichen Gastwirt unsere, wenn n\u00f6tig als Familienfeier zu tarnende SDP-Gr\u00fcndung anmelden. Das geeignethe Hinterzimmer im Gasthaus Drei Linden kannte ich von der ein Jahr zuvor dort stattgefundenen Feier zum 50. Geburtstag meines \u201eDoktorvaters\u201c Wolf Kr\u00f6tke. Dem Risiko, anschlie\u00dfend verhaftet zu werden, wollte Gabriel seinen Gastwirt und Gemeindekirchenratsmitglied, Uwe Fialkowski, jedoch nicht aussetzen. So wurde die Gr\u00fcndung ins Pfarrhaus von Pfarrer Joachim K\u00e4hler nach Schwante verlegt. Vorsichtshalber beschlossen wir, niemandem den Ortsnamen laut mitzuteilen, sondern den Gr\u00fcndungsort unseren Leuten lediglich auf einer Landkarte zu zeigen. Diese Geheimhaltung funktionierte insofern, als die Berliner Kirchenbeauftragte, Helms, noch\u00a0 am 4. Oktober auf der falschen F\u00e4hrte war. Denn sie zitierte meine Frau zum Rat des Stadtbezirks Mitte, um ihr vorzuhalten, man habe zuverl\u00e4ssige Informationen, dass am Wochenende unter meiner Beteiligung im Sprachenkonvikt eine sozialdemokratische Partei gegr\u00fcndet w\u00fcrde. Insgeheim hatten wir, f\u00fcr den Fall, dass die Stasi die ordentliche Gr\u00fcndung am 7. Oktober verhindern w\u00fcrde, am 2. Oktober mit unseren Unterschriften sowie denen von Reiner Hartmann, Gotthard Lemke, Dankwart Brinksmeier und Joachim G\u00f6rtz bereits eine provisorische Gr\u00fcndung vollzogen und diese Urkunde bei befreundeten Journalisten hinterlegt. Da ich annahm, dass wir nach der Gr\u00fcndung festgenommen und alle Unterlagen konfisziert w\u00fcrden, versuchte ich am Abend des 6. Oktober, wichtige Dokumente, meinen Computer und die Disketten bei einem Freund unterzubringen. Dem war das zu hei\u00df. Nach anderen vergeblichen Versuchen fuhr ich zu Bischof Gottfried Forck. Sofort willigte er ein, und wir versteckten alles im Keller seines Hauses.<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">\n\n\n<div class=\"mceTemp\" draggable>\n\n<dl id=\"attachment_109\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 577px\"> \n\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-109\" title=\"Konrad Elmer, die Gr\u00fcndungsversammlung der SDP in Schwante leitend, im Hintergrund Angelika Barbe\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image141.jpg\" mce_src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image141.jpg\" alt=\"Konrad Elmer, die Gr\u00fcndungsversammlung der SDP in Schwante leitend, im Hintergrund Angelika Barbe\" width=\"567\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image141.jpg 567w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image141-300x232.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 567px) 100vw, 567px\" \/><\/dt>\n\n \n\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Konrad Elmer, die Gr\u00fcndungsversammlung der SDP in Schwante leitend, im Hintergrund Angelika Barbe<\/dd>\n\n <\/dl>\n\n<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">Um f\u00fcr die hinreichende Repr\u00e4sentanz von Frauen bei unserer Gr\u00fcndung zu sorgen, hatte ich tags zuvor noch kurzer Hand Carola Gabler, eine mir bis dahin unbekannte Sekret\u00e4rin der Evangelischen Kirche der Union angesprochen, ob auch sie vielleicht bei der Gr\u00fcndung einer sozialdemokratischen Partei mitmachen wolle. Sofort sagte sie zu, was mir h\u00e4tte zu denken geben m\u00fcssen. Am Morgen des 7. Oktober fuhr ich zusammen mit ihr, die 14 Tage sp\u00e4ter, nachdem sie unser Gr\u00fcndungsprotokoll geschrieben hatte, spurlos verschwand (!), zum S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf, um Thomas Kr\u00fcger und Sabine Leger abzuholen. Da bemerkten wir einen uns verfolgenden Lada. Auch Umwege \u00fcber Seitenstra\u00dfen halfen nicht, ihn abzusch\u00fctteln. Wir sa\u00dfen in der Falle. Entweder w\u00fcrden wir der Stasi den Gr\u00fcndungsort verraten, oder der Versammlung w\u00fcrden wichtige Papiere fehlen, hatte ich doch die Kopien der Gesch\u00e4ftsordnung und des Statuts in meiner Aktentasche. Schon bereute ich, entgegen Markus Meckels Rat die letzte Nacht zu Haus verbracht zu haben. Da kam mir folgende Idee: Ich hielt an der letzten Oranienburger Tankstelle, um mir das \u00f6rtliche Telefonbuch geben zu lassen. Darin fand ich die Adresse von Superintendent Naumann. Bei ihm angekommen \u00fcberlegten wir, wie wir den Lada loswerden k\u00f6nnten. Naumann entwickelte einen Plan. Wir sollten am Ufer der Havel entlang bis zu einer Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke fahren. Er w\u00fcrde auf der anderen Seite mit seinem Trabi auf uns warten. So geschah es. Thomas Kr\u00fcger blieb, um die Stasi zu binden, im Wagen. Wir anderen drei rannten \u00fcber die Br\u00fccke, ein Mann aus dem Lada hinter uns her, doch konnte er nur noch Naumanns Nummernschild notieren. Sicherheitshalber wechselten wir kurz danach in den Pkw eines von Naumann bestellten Gemeindekirchenrats, der uns unbeobachtet nach Schwante brachte.<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">\n\n\n<div class=\"mceTemp\" draggable>\n\n<dl id=\"attachment_110\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 631px\"> \n\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-110\" title=\"Auf der Treppe  zum Garten hinter dem Pfarrhaus von Schwante, links Frank Bogisch und Simone Manz, 6. v. links Gerd D\u00f6hling, 9. Harald Seidel, daneben Dankwart Brinksmeier, mit Bart Gotthard Lemke und Reiner Hartmann sowie Steffen Reiche, hinter ihm Oliver Richter, vor ihm Stefan Finger, dahinter mit Bart Torsten Hilse, hinter ihm rechts Johannes Richter, davor Arno Behrend, ganz vorn Joachim G\u00f6rtz, dahinter Arndt Noack, ganz rechts Konrad Elmer,  im T\u00fcrrahmen links Reinhardt K\u00e4hler, rechts im T\u00fcrrahmen, ins Haus blickend, Martin Gutzeit.\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image142.jpg\" mce_src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image142.jpg\" alt=\"Auf der Treppe  zum Garten hinter dem Pfarrhaus von Schwante, links Frank Bogisch und Simone Manz, 6. v. links Gerd D\u00f6hling, 9. Harald Seidel, daneben Dankwart Brinksmeier, mit Bart Gotthard Lemke und Reiner Hartmann sowie Steffen Reiche, hinter ihm Oliver Richter, vor ihm Stefan Finger, dahinter mit Bart Torsten Hilse, hinter ihm rechts Johannes Richter, davor Arno Behrend, ganz vorn Joachim G\u00f6rtz, dahinter Arndt Noack, ganz rechts Konrad Elmer,  im T\u00fcrrahmen links Reinhardt K\u00e4hler, rechts im T\u00fcrrahmen, ins Haus blickend, Martin Gutzeit.\" width=\"621\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image142.jpg 621w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image142-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 621px) 100vw, 621px\" \/><\/dt>\n\n \n\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Auf der Treppe  zum Garten hinter dem Pfarrhaus von Schwante, links Frank Bogisch und Simone Manz, 6. v. links Gerd D\u00f6hling, 9. Harald Seidel, daneben Dankwart Brinksmeier, mit Bart Gotthard Lemke und Reiner Hartmann sowie Steffen Reiche, hinter ihm Oliver Richter, vor ihm Stefan Finger, dahinter mit Bart Torsten Hilse, hinter ihm rechts Johannes Richter, davor Arno Behrend, ganz vorn Joachim G\u00f6rtz, dahinter Arndt Noack, ganz rechts Konrad Elmer,  im T\u00fcrrahmen links Reinhardt K\u00e4hler, rechts im T\u00fcrrahmen, ins Haus blickend, Martin Gutzeit.<\/dd>\n\n <\/dl>\n\n<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">Ibrahim B\u00f6hme er\u00f6ffnete die aus etwa 50 Teilnehmern bestehende Gr\u00fcndungsversamm-lung und stellte mich als den Versammlungsleiter vor. Im Hintergrund lief eine Videokamera. Markus hielt sein Grundsatzreferat, dann beschlossen wir die Gesch\u00e4fts- und Tagesordnung. Danach wurden die Grunds\u00e4tze des Statuts, \u00a7 1-10 diskutiert. Als auch diese beschlossen waren und die Diskussion um die mir so wichtige Parteistruktur beginnen sollte, erkl\u00e4rte Markus, wir m\u00fcssten jeden Moment mit dem Eintreffen der Polizei rechnen. Deswegen sollten wir die Gr\u00fcndung sofort vollziehen. Die Parteistruktur k\u00f6nne man sp\u00e4ter immer noch beschlie\u00dfen. Leider folgte die Versammlung diesem Man\u00f6ver und mein innerparteilicher Strukturaufbau erhielt, abgesehen von dem bereits beschlossenen basisdemokratischen Grundsatz in \u00a7 4, damals lediglich den Charakter einer Empfehlung. Nach dem Verlesen der entsprechenden Urkunde, wurde die Gr\u00fcndung der SDP durch Abstimmung und Unterschrift von etwa 40 Teilnehmern auf drei Exemplaren des Gr\u00fcndungstextes vollzogen. Als dann auch die Wahl des 15-k\u00f6pfigen Vorstands abgeschlossen war, machte sich Erleichterung breit, und wir stellten uns einem Gr\u00fcndungsfoto. Steffen Reiche brachte eine Kopie der Gr\u00fcndungsurkunde zu westdeutschen Pressevertretern nach Ostberlin und ein Kurier schleuste die Videokassette nach Westberlin, so dass bereits in der Tagesschau unsere Gr\u00fcndung gesendet werden konnte.<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">\n\n\n<div class=\"mceTemp\" draggable>\n\n<dl id=\"attachment_112\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 626px\"> \n\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-112\" title=\"links mit Bart Stephan Hilsberg, dahinter Johannes Richter, davor Arno Behrend, daneben Torsten Hilse im Gespr\u00e4ch mit Konrad Elmer vorne rechts Ibrahim B\u00f6hme dahinter Arndt Noack, Simone Manz u. Joachim G\u00f6rtz\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image143.jpg\" mce_src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image143.jpg\" alt=\"links mit Bart Stephan Hilsberg, dahinter Johannes Richter, davor Arno Behrend, daneben Torsten Hilse im Gespr\u00e4ch mit Konrad Elmer vorne rechts Ibrahim B\u00f6hme dahinter Arndt Noack, Simone Manz u. Joachim G\u00f6rtz\" width=\"616\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image143.jpg 616w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image143-300x213.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 616px) 100vw, 616px\" \/><\/dt>\n\n \n\n<dd class=\"wp-caption-dd\">links mit Bart Stephan Hilsberg, dahinter Johannes Richter, davor Arno Behrend, daneben Torsten Hilse im Gespr\u00e4ch mit Konrad Elmer vorne rechts Ibrahim B\u00f6hme dahinter Arndt Noack, Simone Manz u. Joachim G\u00f6rtz<\/dd>\n\n <\/dl>\n\n<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">Nun war von uns Vorstandsmitgliedern nur noch der gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Vorstand zu w\u00e4hlen. Merkw\u00fcrdigerweise wollte B\u00f6hme nicht f\u00fcr den Posten des ersten Sprechers kandidieren. So kam es zur Stichwahl zwischen Markus und Stephan Hilsberg. Letzterer erhielt die meisten Stimmen, weil er, wenn auch eines Pfarrers Sohn, kein Pfarrer war. Markus wurde zweiter Sprecher zusammen mit Angelika Barbe, B\u00f6hme wurde Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Gerd D\u00f6hling Schatzmeister.\nAls wir heimfuhren und ich in Oranienburg meinen offen stehenden Trabi abholte, konnte ich es immer noch nicht fassen, dass wir 43 Jahre nach der Zwangsvereinigung die Sozialdemokratische Partei in der DDR neu gegr\u00fcndet hatten. H\u00e4tten wir gewusst, dass das so relativ problemlos gelingen w\u00fcrde... Zu Hause angekommen wartete ich darauf, verhaftet zu werden. Stattdessen wurde unser Haus von einem Lada bewacht. Am n\u00e4chsten Morgen klopfte ich an die Fensterscheibe der mich freundlich anl\u00e4chelnden vier Herren um ihnen vorzuschlagen, dass sie der Staatskasse doch eine Menge Spritgeld sparen k\u00f6nnten. Die SDP-Gr\u00fcndung sei n\u00e4mlich abgeschlossen und wir f\u00fchren heute lediglich privat zu meiner Schw\u00e4gerin nach Genthin. \u00c4hnlich dem Selbstverst\u00e4ndnis Mielkes, \u201eIch liebe Euch doch alle\u201c, lautete ihre Antwort: \u201eWir besch\u00fctzen Sie ja nur\u201c. Tats\u00e4chlich verfolgten sie mich nun nicht mehr.\nAls ich am 9. Oktober in den Nachrichten erfuhr, dass bei der gro\u00dfen Leipziger Montagsdemonstration nicht geschossen wurde, war mir klar: Jetzt haben wir gewonnen! Und so werde ich nicht m\u00fcde, diesen Tag als den eigentlichen Feiertag der deutschen Einheit zu empfehlen. Wie bereits Dresden den 8. Oktober, so k\u00f6nnte Plauen und Berlin wegen entsprechender Demonstrationen den 7. Oktober zum regionalen Feiertag der Friedlichen Revolution erkl\u00e4ren. <b>[8] <\/b> So w\u00fcrde deutlicher als bisher festgehalten, dass es die durch unsere Revolution errungene Freiheit war, welche die Mauer zum Einsturz brachte und den Weg zur Deutschen Einheit erm\u00f6glichte.<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">\n\n\n<div class=\"mceTemp\" draggable>\n\n<dl id=\"attachment_113\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 636px\"> \n\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-113\" title=\"Pressekonferenz der SDP mit Konrad Elmer, Angelika Barbe, Stephan Hilsberg, Ibrahim B\u00f6hme und Martin Gutzeit\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image144.jpg\" mce_src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image144.jpg\" alt=\"Pressekonferenz der SDP mit Konrad Elmer, Angelika Barbe, Stephan Hilsberg, Ibrahim B\u00f6hme und Martin Gutzeit\" width=\"626\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image144.jpg 626w, https:\/\/elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/Image144-300x207.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 626px) 100vw, 626px\" \/><\/dt>\n\n \n\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Pressekonferenz der SDP mit Konrad Elmer, Angelika Barbe, Stephan Hilsberg, Ibrahim B\u00f6hme und Martin Gutzeit<\/dd>\n\n <\/dl>\n\n<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\">Nun galt es, den Aufbau der SDP unter schwierigen Bedingungen \u2013 ich besa\u00df, DDR-\u00fcblich, nicht einmal einen Telefonanschluss - voranzutreiben. So telefonierte ich zwischen meinen Vorlesungen vom Paulinum aus zu Verwandten, Freunden und Bekannten, um Kontaktpersonen zu gewinnen, die unsere Papiere verbreiteten. Manchen Freunden nachdem ich sie in die Kontaktadressenliste aufgenommen hatte, erging es \u00e4hnlich, wie meinem Schulfreund Karlheinz Engelhard aus Gro\u00dfbodungen, in dessen Kalibergwerksbetrieb, alsbald eine Betriebsparteigruppensondersitzung mit dem einzigen Tagesordnungspunkt einberufen wurde: \u201eDer Klassenfeind hat sich enttarnt!\u201c Auch verteilten meine T\u00f6chter mit Eifer das Statut, Lydia an ihrer Theresien- und Julia an der Schliemannschule, bis sie aufgrund einer diesbez\u00fcglichen Anzeige ihrer Klassenlehrerin am 11. Oktober aus der Schule heraus verhaftet und, ohne uns zu benachrichtigen, sechs Stunden lang \u00fcber die konspirative Arbeit ihres Vaters verh\u00f6rt wurde. Jeden Abend erg\u00e4nzte und kopierte ich die SDP-Kontakt-Adressenliste nebst Statut, zuerst als Blaudruck, sp\u00e4ter mit Hilfe von Wachsmatrizen in der Gesch\u00e4ftsstelle der ESG, um sie in die Lande zu verschicken. Dem Bedarf war kaum nachzukommen. Eigentlich h\u00e4tte ich damals meinen Beruf aufgeben, mit dem Trabi in meine Heimat nach Th\u00fcringen fahren und jeden Abend in einer anderen Stadt die SDP gr\u00fcnden sollen. Denn wer zuerst kam, zu dem kamen die politisch interessierten Leute. Noch aber war die Entscheidung, Berufspolitiker zu werden, nicht gefallen.\nDie wichtigste Frage der meisten Sympathisanten lautete: M\u00fcssen wir wirklich eine Partei gr\u00fcnden? K\u00f6nnen wir nicht die Form der B\u00fcrgerbewegung, die informellen Gruppen beibehalten? An der Beantwortung dieser Frage spaltete sich die Oppositionsbewegung des Herbstes `89. Als die Gruppen merkten, dass auch sie eine partei\u00e4hnliche Organisationsform finden m\u00fcssen, war ein Zusammenkommen nicht mehr m\u00f6glich, zumal durch pers\u00f6nliche Differenzen zwischen Rainer Eppelmann und B\u00e4rbel Bohley sich die B\u00fcrgerbewegung ins Neue Forum und den Demokratischen Aufbruch spaltete.\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-72\" title=\"5\" src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/51.gif\" mce_src=\"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/51.gif\" alt=\"5\" width=\"250\" height=\"347\" \/>In der breiten \u00d6ffentlichkeit wurde die SDP zum einen durch die schon l\u00e4nger beantragte fr\u00fche Reise Steffen Reiches nach Westdeutschland und seine Gespr\u00e4che mit der SPD-F\u00fchrung, zum anderen durch die Berliner Gro\u00dfdemonstration am 4. Novem-ber auf dem Alexanderplatz bekannt. Aufgrund meiner Intervention beim Chefb\u00fchnenbildner der Deutschen Staatsoper Wilfried Werz, mit dessen Tochter meine Lydia befreundet war, bekam die SDP in letzter Minute einen Platz auf der dortigen Rednerliste. Diesen bot ich B\u00f6hme an. Er lehnte jedoch ab und bat mich, dort f\u00fcr die SDP zu sprechen. Als es so weit war, hatten die anderen Redner die geplante Redezeit bereits verbraucht. Ulrike Poppe und mir wurde signalisiert, dass unsere Beitr\u00e4ge wegfallen m\u00fcssten. Ich legte mein Redemanuskript beiseite und antwortete Henning Schaller, hier m\u00fcsse doch wenigstens noch ein Wort zur Mitschuld der DDR an der Niederschlagung des Prager Fr\u00fchlings gesagt werden. Das leuchtete ihm ein, und so konnte ich als mein Herzensanliegen den abertausend Demonstranten zurufen: \u201e...Wir Sozialdemokraten werden jede zuk\u00fcnftige Regierung daran messen, ob sie hier (im Blick auf die Mitwirkung unserer alten Regierung an der Niederschlagung des Prager Fr\u00fchlings) zu einem wirklichen Schuldbekenntnis f\u00e4hig ist\u2026\u201c [<b>9]<\/b>\nAm 5. November organisierten wir in der Sophienkirche die Gr\u00fcndung der Ostberliner SDP. Zu meiner Freude beschloss die Versammlung gegen das Votum von B\u00f6hme meine basisdemokratische Parteistruktur. \u00c4hnliches gelang auf dem Leipziger Parteitag bei der Verabschiedung des endg\u00fcltigen Organisationsstatuts. So wurde am Begriff Basisgruppe festgehalten und der \u00c4mterh\u00e4u-fung durch entsprechende Verhaltensregeln Einhalt geboten. Zudem statteten wir den Parteirat mit gr\u00f6\u00dferen Kompetenzen aus, als das im Statut der westdeutschen SPD vorgesehen war. Sp\u00e4ter in den Vereinigungsverhandlungen konnte ich als Verm\u00e4chtnis von Schwante im gemeinsamen Statut der Bundes-SPD gegen\u00fcber Erich Bettermann und Hans-Jochen Vogel die Wendung durchsetzen,\u00a0\u00a0 \u00a7 8 (1): Es \u201evollzieht sich die politische Willensbildung der Partei von unten nach oben.\u201c <b>[10]<\/b> Und so w\u00fcrde es nicht schaden, wenn im 20. Jahr nach der Gr\u00fcndung die Vielen da unten die Wenigen da oben mal wieder an diesen Satz erinnerten!\nAusgerechnet am Tag des Mauerfalls bekam ich das Visum f\u00fcr eine Reise zum Parteitag der SPD in Frankfurt am Main. So zeigte sich, im Nachhinein betrachtet, gleich nach dem Mauerfall geradezu symbolisch, wohin die Reise ging und von wo aus uns in wohlwollender F\u00fcrsorge die errungene Macht zum Gro\u00dfteil wieder abgenommen wurde. Kaum wieder zu Hause angekommen, mahnte mein theologischer Lehrer Wolf Kr\u00f6tke, wir sollten unsere Aktivit\u00e4ten st\u00e4rker als bisher auf das Ziel der Deutschen Einheit richten. Und so bekannten wir uns am 3. Dezember in einer Erkl\u00e4rung des Vorstands der SDP zur Einheit der deutschen Nation, welche von beiden deutschen Staaten gestaltet werden sollte.\nBereits auf der Berliner Delegierten-konferenz am 12.\/13. Januar 1990 wurde die SDP in SPD umbenannt. Damit sollte verhindert werden, dass die SED-PDS m\u00f6glicherweise selbst mit diesem Namen uns im Wahlkampf gegen\u00fcbertreten k\u00f6nnte.\nF\u00fcr den 14. Januar 1990 hatte ich eine Demonstration zum Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht angeregt, um der SED-PDS den diesbez\u00fcglichen Alleinver-tretungsanspruch streitig zu machen. In meiner von Walter Momper sogleich ver\u00f6ffent-lichten Rede kann man schmunzelnd S\u00e4tze wie diese lesen: \u201eDas ganze Deutschland braucht die Sozialdemokratie der DDR\u2026, denn wo ist sie da dr\u00fcben schon zu finden, die parit\u00e4tische Mitbestimmung in den Gro\u00dfbetrieben? K\u00f6nnten da nicht wir, wenn uns die Sache hier gelingt, sp\u00e4ter den Sozialdemokraten dort unter die Arme greifen?\u201c [<b>11]<\/b>\nUnd so enden meine fr\u00fcheren Erinnerungen von 1991 mit folgenden Gedanken: \u201eIch glaube, dass die Sozialdemokratie in Deutschland an den basisdemokratischen Impulsen von Rosa Luxemburg und Hannah Arendt nicht mehr vor\u00fcbergehen kann, sondern wir diese in der innerparteilichen Struktur mehr und mehr zum Zuge bringen werden, und dass man sich dabei an die Anf\u00e4nge von Schwante erinnern wird, an jenen Ort, wo keine Wendeh\u00e4lse ihren Vorteil suchten, sondern unerschrockene Menschen einen neuen Anfang wagten. Denn auf den Anfang kommt es an!\u201c<b>[12]<\/b><\/div>\n\n\n\n\n<div class=\"MsoNormal\" mce_tmp=\"1\"><span style=\"font-size: 11pt;\" mce_style=\"font-size: 11pt;\">Dr. Konrad Elmer-Herzig<span> <\/span><span> <\/span><span> <\/span><\/span><\/div>\n\n\n\n\n<div class=\"MsoNormal\" mce_tmp=\"1\"><span style=\"font-size: 11pt;\" mce_style=\"font-size: 11pt;\">Nansenstr. 6, 14471 Potsdam<span> <\/span>, 9.10. 2009<\/span><\/div>\n\n\n\n\n<div class=\"MsoNormal\" mce_tmp=\"1\"><span style=\"font-size: 11pt;\" mce_style=\"font-size: 11pt;\">Tel.: 0331-9512904<span> <\/span> <\/span><\/div>\n\n\n\n\n<div class=\"MsoNormal\" mce_tmp=\"1\"><span style=\"font-size: 11pt;\" mce_style=\"font-size: 11pt;\"><a href=\"mailto:elmer-herzig@gmx.de\" mce_href=\"mailto:elmer-herzig@gmx.de\">elmer-herzig@gmx.de<\/a> <span> <\/span><span> <\/span><\/span><\/div>\n\n\n\n\n<div><! [if !supportFootnotes] ><\/div>\n\n\n\n\n<hr size=\"1\" \/><! [endif] ><\/div>\n\n\n\n\n<div id=\"ftn1\">\n\n\n<div class=\"MsoFootnoteText\" mce_tmp=\"1\"><b><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><! [if !supportFootnotes] ><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\" mce_style=\"font-size: 10pt; font-family: &amp;quot;Times New Roman&amp;quot;;\">[1]<\/span><\/span><! [endif] ><\/span><\/span><\/span><\/b> Pr\u00e4zisierte Fassung meiner gleichnamigen Erinnerungen in: Die Neue Gesellschaft. Frankfurter Hefte, Februar 1991, S. 136-140. Vgl. Auf den Anfang kommt es an: Sozialdemokratischer Neubeginn in der DDR 1989, Interviews und Analysen, Hrsg. W. Herzberg; P. v. zur M\u00fchlen, Bonn: Dietz 1993.<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div id=\"ftn2\">\n\n\n<div class=\"MsoFootnoteText\" mce_tmp=\"1\"><b><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><! [if !supportFootnotes] ><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\" mce_style=\"font-size: 10pt; font-family: &amp;quot;Times New Roman&amp;quot;;\">[2]<\/span><\/span><! [endif] ><\/span><\/span><\/span> <\/b>Interview von Horst Uebelg\u00fcnn mit Renate Hofmeister. In: 20 Jahre SPD, Wiedergr\u00fcndung der SPD in Lichtenberg und Hohensch\u00f6nhausen, Hrsg.\u00a0 SPD Lichtenberg, Berlin 2009, S. 16.<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div id=\"ftn3\">\n\n\n<div class=\"MsoFootnoteText\" mce_tmp=\"1\"><b><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><! [if !supportFootnotes] ><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\" mce_style=\"font-size: 10pt; font-family: &amp;quot;Times New Roman&amp;quot;;\">[3]<\/span><\/span><! [endif] ><\/span><\/span><\/span> <\/b>Hannah Arendt, On Revolution, New York 1963, \u00dcber die Revolution, Serie Pieper 1974, S. 162ff u. 319ff<span> <\/span><\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div id=\"ftn4\">\n\n\n<div class=\"MsoFootnoteText\" mce_tmp=\"1\"><b><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><! [if !supportFootnotes] ><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\" mce_style=\"font-size: 10pt; font-family: &amp;quot;Times New Roman&amp;quot;;\">[4]<\/span><\/span><! [endif] ><\/span><\/span><\/span><\/b> http:\/\/www.ddr89.de\/ddr89\/sdp\/SDP5.html<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div id=\"ftn5\">\n\n\n<div class=\"MsoFootnoteText\" mce_tmp=\"1\"><b><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><! [if !supportFootnotes] ><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\" mce_style=\"font-size: 10pt; font-family: &amp;quot;Times New Roman&amp;quot;;\">[5]<\/span><\/span><! [endif] ><\/span><\/span><\/span> <\/b>s. Anm.2.<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div id=\"ftn6\">\n\n\n<div class=\"MsoFootnoteText\" mce_tmp=\"1\"><b><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><! [if !supportFootnotes] ><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\" mce_style=\"font-size: 10pt; font-family: &amp;quot;Times New Roman&amp;quot;;\">[6]<\/span><\/span><! [endif] ><\/span><\/span><\/span> <\/b>Vgl. K. Elmer, Innerparteiliche R\u00e4tedemokratie \u2013 Zwischen Basis-Ideologie und Kanzlerwahlverein. Unerledigte An-fragen aus dem Statut der SDP. In: Vorw\u00e4rts, r\u00fcckw\u00e4rts, seitw\u00e4rts...Hrsg. P. v. Oertzen, SPW-Vlg. 1991.<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div id=\"ftn7\">\n\n\n<div class=\"MsoFootnoteText\" mce_tmp=\"1\"><b><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><! [if !supportFootnotes] ><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\" mce_style=\"font-size: 10pt; font-family: &amp;quot;Times New Roman&amp;quot;;\">[7]<\/span><\/span><! [endif] ><\/span><\/span><\/span><\/b> Statut der SDP v. 7. 10. 1989, http:\/\/www.ddr89.de\/ddr89\/sdp\/SDP23.html.<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div id=\"ftn8\">\n\n\n<div class=\"MsoFootnoteText\" mce_tmp=\"1\"><b><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><! [if !supportFootnotes] ><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\" mce_style=\"font-size: 10pt; font-family: &amp;quot;Times New Roman&amp;quot;;\">[8] <\/span><\/span><! [endif] ><\/span><\/span><\/span><\/b>Konrad Hoppe berichtete in unserem Philosophiekreis: Hans-Georg Ponesky habe zur vorgezogenen 40-Jahrfeier in Potsdam am 4. Oktober\u00a0 in der Sporthalle mit mehreren Ch\u00f6ren ein Potpourri veranstaltet, zu dessen Kr\u00f6nung er die versammelten SED-Genossen mit voller Inbrunst singen lies: \u201e Oh du lieber Augustin\u2026 alles ist hin\u201c!<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div id=\"ftn9\">\n\n\n<div class=\"MsoFootnoteText\" mce_tmp=\"1\"><b><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><! [if !supportFootnotes] ><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\" mce_style=\"font-size: 10pt; font-family: &amp;quot;Times New Roman&amp;quot;;\">[9]<\/span><\/span><! [endif] ><\/span><\/span><\/span> <\/b>4. 11. 89. Protestdemonstration Berlin DDR. Hrsg. A. Hahn, G. Pucher, H. Schaller, L. Scharsich, Berlin 1990, S. 201.<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n\n<div id=\"ftn10\">\n\n\n<div class=\"MsoFootnoteText\" mce_tmp=\"1\"><b><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><! [if !supportFootnotes] ><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\" mce_style=\"font-size: 10pt; font-family: &amp;quot;Times New Roman&amp;quot;;\">[10]<\/span><\/span><! [endif] ><\/span><\/span><\/span><\/b> Vgl. K. Elmer, Vor- und Wirkungsgeschichte des Organisationsstatuts der SDP. In: Von der B\u00fcrgerbewegung zur Partei. Die Gr\u00fcndung der Sozialdemokratie in der DDR. Diskussionsforum im Berliner Reichstag am 7. Oktober 1992. Hrsg. D. Dowe, Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung. Gespr\u00e4chskreis Geschichte, H. 3, Bonn 1993.<\/div>\n\n\n\n\n<div class=\"MsoFootnoteText\" mce_tmp=\"1\"><b>[11] <\/b>K. Elmer, Rede auf der Kundgebung zum Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und an die Opfer von Militarismus, Faschismus und Stalinismus am 14. Januar 1990 in Berlin.<\/div>\n\n\n\n\n<div class=\"MsoFootnoteText\" mce_tmp=\"1\"><b>[12]<\/b> s. oben Anm. 1, S. 140.<\/div>\n\n\n<\/div>\n\n\n<\/d--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konrad Elmer-Herzig Auf den Anfang kommt es an! 1 Erinnerungen an die Gr\u00fcndung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR \u2013 SDP am 7. Oktober 1989 in Schwante 1968 hatte ich den \u201ePrager Fr\u00fchling\u201c zusammen mit meinem Studienfreund Oskar Schmidt auf einer Tramptour durch die Tschechoslowakei begeistert miterlebt. 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