{"id":78,"date":"2009-10-28T16:14:26","date_gmt":"2009-10-28T15:14:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.elmer-herzig.de\/?p=78"},"modified":"2017-10-07T13:22:51","modified_gmt":"2017-10-07T12:22:51","slug":"das-wesen-der-haresie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/elmer-herzig.de\/?p=78","title":{"rendered":"Das Wesen der H\u00e4resie"},"content":{"rendered":"<p><strong>THESEN<\/strong><br \/>\nzur \u00f6ffentlichen Verteidigung der Dissertation<\/p>\n<p><strong>Das Wesen der H\u00e4resie<br \/>\nUntersuchungen zum H\u00e4resieverst\u00e4ndnis Karl Barths<br \/>\nim Zusammenhang seiner theologischen Erkenntnislehre<\/strong><br \/>\nvorgelegt von Konrad Elmer<br \/>\n1.\u00a0\u00a0 \u00a0Jeder Bestimmung von H\u00e4resie mu\u00df die Erarbeitung reiner Lehre vorausgehen. Eine blo\u00df negative Aus-einandersetzung wird selbst h\u00e4retisch.<br \/>\n2.\u00a0\u00a0 \u00a0Schon vom Erkenntnisgrund an trennt sich der Weg der reinen Lehre von dem der H\u00e4resie. Alle sp\u00e4teren Differenzen sind Konsequenzen der hier gefallenen Entscheidung. Darum ist das H\u00e4resieproblem prim\u00e4r im Zusammenhang der Erkenntnislehre zu verhandeln.<\/p>\n<p><strong>A<br \/>\nDer Erkenntnisweg zur Bestimmung reiner Lehre<br \/>\nI. Das Ereignis des Wortes Gottes<\/strong><br \/>\n3. Barth fragt nach der Bedingung der M\u00f6glichkeit des Anspruchs kirchlicher Rede, Rede von Gott zu sein. Dieser Anspruch besteht nur dann zu Recht, wenn es ein Wort Gottes selber gibt, das ein die Kirche erm\u00f6glichendes kritisches Gegen\u00fcber der Kirche bleibt.<br \/>\n4. Allein die Geschichte Christi ist das Wort Gottes, dessen wahrhaftiger Zeuge Jesus Christus selber ist. Seine Autorit\u00e4t ist aus dem Zusammenhang der Welt unableitbar, dem Glauben aber selbstverst\u00e4ndlich.<br \/>\n4.1. \u00a0\u00a0 \u00a0An die Stelle der Lehre von den \u201edrei Gestalten des Wortes Gottes&#8220; (KD 1\/1) tritt in Barths Vers\u00f6hnungslehre (KD IV\/3) die strenge Unterscheidung zwischen Jesus Christus, dem einzigen Wort Gottes und den ihm entsprechenden &#8222;anderen wahren Worten&#8220;.<br \/>\n4.2.\u00a0\u00a0 \u00a0Das Sein Jesu Christi ist nun das einzige Sakrament, das sich allein selbst vermittelt.<br \/>\n4.3.\u00a0\u00a0 \u00a0Barths geschichtliche Interpretation der Zweinaturenlehre ist unzureichend, weil nicht in der Lage, der Frage nach dem historischen Jesus ihr theologisches Recht einzur\u00e4umen. Mit der R\u00fcckfrage nach dem historischen Jesus besteht die Theologie auf der Geschichtlichkeit der Offenbarung als einem wesentlichen Kriterium reiner Lehre.<br \/>\n5. Das Selbstzeugnis Jesu Christi geschieht im Zusammenhang mit den ihm entsprechenden Zeugnissen menschlich-gesch\u00f6pflicher Art. Es gibt diese Zeugnisse in geordnet-abgestufter Reihenfolge als Heilige Schrift, als Verk\u00fcndigung und als &#8222;wahre Worte extra muros ecclesiae&#8220;.<br \/>\n5.1.\u00a0\u00a0 \u00a0Von der Geschichte Jesu Christi her ist die Schrift norma normata, gegen\u00fcber allen &#8222;anderen wahren Worten\u201c\u00a0 jedoch norma normans.<br \/>\n5.2. \u00a0\u00a0 \u00a0Auch die Verk\u00fcndigung wird nicht zum Wort Gottes selbst, sondern bleibt dessen gleichnishafte Entsprechung. Sie steht unter der Verhei\u00dfung, da\u00df sich das Selbstzeugnis Jesu Christi im Zusammenhang mit ihr ereignet.<br \/>\n5.3. \u00a0\u00a0 \u00a0Die unbegrenzte Souver\u00e4nit\u00e4t Jesu Christi n\u00f6tigt Barth zur Lehre von den &#8222;wahren Worten extra muros ecclesiae&#8220;. Wahr sind solche Worte nur, wenn sie sachlich \u00fcbereinstimmen mit dem Zeugnis von Schrift und Kirche. Die Bedeutung dieser irregul\u00e4ren Zeugen bleibt r\u00e4umlich und zeitlich begrenzt.<br \/>\n5.4.\u00a0\u00a0 \u00a0Das Zeugnis der Sch\u00f6pfung m\u00f6chte Barth lediglich als Selbstzeugnis verstanden wissen.<br \/>\nDies ist m.E. eine unzul\u00e4ssige Abstraktion, denn ein wahres Selbstzeugnis der Sch\u00f6pfung wird nur im Blick auf mehr als die Sch\u00f6pfung und also nicht ohne Gottesbezug m\u00f6glich sei.<\/p>\n<p>5.5.\u00a0\u00a0 \u00a0Zur Begr\u00fcndung einer alle Menschen betreffenden Schuld w\u00fcrdigt Barth in der postum ver\u00f6ffentlichten Ethik zur Vers\u00f6hnungslehre das Zeugnis der ontologisch guten Natur des Menschen. Durch dieses Zeugnis hat sich Gott objektiv allen Menschen bekannt gemacht. Aufgrund der S\u00fcnde des Menschen wird das objektive Bekanntsein jedoch subjektiv nicht realisiert.<br \/>\nWeil Gottes objektives Bekanntsein aber wirksamer ist als unsere S\u00fcnde, kommt es auch bei\u00a0\u00a0 Menschen, die von den Zeugen Jesu Christi noch nicht erreicht worden sind, zu Gott betreffenden Ahnungen und Vermutungen. Diese f\u00fchren allerdings \u00fcber die Ambivalenz von Gottes Bekanntsein und seinem gleichzeitigen Unbekanntsein nicht hinaus. Sie k\u00f6nnen und d\u00fcrfen als solche nicht systematisiert werden.<\/p>\n<p><strong>II. Theologie als dem Wort Gottes nachdenkende Bem\u00fchung um reine Lehre<\/strong><br \/>\n6.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Wissenschaftlichkeit der Theologie ist ihre Sachbezogenheit.<br \/>\n6.1.\u00a0\u00a0 \u00a0Theologie hat ihren Erkenntnisgegenstand auf dem von ihm selbst gewiesenen Weg wahrzunehmen, zu verstehen und zur Sprache zu bringen.<br \/>\n6.2. \u00a0\u00a0 \u00a0Theologie ist eine grunds\u00e4tzlich jedem Menschen zug\u00e4ngliche Denkbem\u00fchung, denn sie hat zwar die \u00c4u\u00dferungen des Glaubens \u00fcberhaupt, nicht aber, wie Barth fordert, mit Notwendigkeit den Glauben des Theologen selbst zur Voraussetzung.<br \/>\n7.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Zum sachgem\u00e4\u00dfen Verst\u00e4ndnis der Offenbarung Gottes ist die Trinit\u00e4tslehre unentbehrlich.<br \/>\n7.1.\u00a0\u00a0 \u00a0Sie soll verhindern, da\u00df das Sich-offenbaren-k\u00f6nnen Gottes als ein Zweites zum Sein Gottes erst hinzutritt. Nur wenn sich Gott von Ewigkeit her selbst gegenst\u00e4ndlich ist (prim\u00e4re Gegenst\u00e4ndlichkeit), kann er sich auch seinem Gesch\u00f6pf als einem anderen gegenst\u00e4ndlich offenbaren (sekund\u00e4re Gegenst\u00e4ndlichkeit).<br \/>\n7.2. \u00a0\u00a0 \u00a0Die \u201esekund\u00e4re Gegenst\u00e4ndlichkeit\u201c der Offenbarung ist die Geschichte des Menschen Jesus. Damit die Natur dieses Menschen nicht der Offenbarung als ein eigenst\u00e4ndiger Erm\u00f6glichungsgrund gegen\u00fcbertritt, setzt Barth die Erw\u00e4hlung dieses Menschen zum Bundesgenossen als inneren Grund der Sch\u00f6pfung voraus. Auf diese Weise l\u00e4\u00dft er Sein durch Geschichtlichkeit konstituiert sein und bestimmt schon die Sch\u00f6pfung als Gnade.<br \/>\n7.3. \u00a0\u00a0 \u00a0Eine stringente Begr\u00fcndung der Trinit\u00e4tslehre wird erst im Rahmen einer \u00fcber Barth hinausgehenden staurozentrischen Theologie m\u00f6glich, denn nicht der Offenbarungsbegriff als solcher, sondern erst der gekreuzigte Jesus als Christus n\u00f6tigt das Denken, zwischen Gott und Gott zu unterscheiden.<\/p>\n<p>8.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jesus Christus ist der Vermittler aller Entsprechungsverh\u00e4ltnisse zwischen Sch\u00f6pfer und Gesch\u00f6pf in<br \/>\nontologischer und noetischer Hinsicht.<br \/>\n8.1. \u00a0\u00a0 \u00a0Ontologisch entspricht dem Sein des Menschen Jesus f\u00fcr Gott das Sein des Menschen in seiner Bestimmung zu Gottes Bundesgenossen, und dem Sein des Menschen Jesus f\u00fcr den Mitmenschen entspricht das Sein des Menschen mit dem Mitmenschen.<br \/>\n8.2.\u00a0\u00a0 \u00a0Weil der Mensch sein Sein nur hat, indem er existiert, hat er als Mensch der S\u00fcnde seine gute Natur faktisch nur im Ereignis des Verderbens.<br \/>\nDer Glaube erst bringt den Menschen in die seinem Sein entsprechende Existenz. Darum gibt es f\u00fcr Barth keine analogia entis, sondern nur eine analogia fidei.<br \/>\n9.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Theologie ist, indem sie sich der Sprache bedient, immer auch Philosophie.<br \/>\n9.1.\u00a0\u00a0 \u00a0Barth empfiehlt einen eklektischen Gebrauch philosophischer Begriffe.<br \/>\n9.2. \u00a0\u00a0 \u00a0Begriffe sind jedoch keine leeren H\u00fclsen, die man nach Belieben mit theologischen Inhalten f\u00fcllen k\u00f6nnte. Sie bringen in die neue Umgebung ihre alten Inhalte immer auch mit und pr\u00e4gen den Denkhorizont. Daher ist eine die theologische Brauchbarkeit philosophischer Begriffe pr\u00fcfende Besinnung vonn\u00f6ten.<br \/>\n10.\u00a0\u00a0 \u00a0St\u00e4rker als bei Barth mu\u00df zwischen begrifflich-dogmatischem Denken und kerygmatischer Predigt unterschieden werden.<br \/>\n10.1. \u00a0\u00a0 \u00a0Die Wahrheit der Offenbarung gibt es nicht in Form vorhandener S\u00e4tze, sondern nur als Ereignis. Der Ort, an dem sie Ereignis wird, ist die Metapher, weil hier das, wovon die Rede ist, in die Rede selbst einkehrt. Die metaphorische Rede wahrt den Ereignischarakter, indem sie den Entdeckungscharakter wahrt. (E. J\u00fcngel).<br \/>\n10.2 \u00a0\u00a0 \u00a0Die Predigt als Glauben gew\u00e4hrende Verk\u00fcndigung des Evangeliums bezeugt kein System von Gedanken, sondern die Praxis Gottes in Jesus Christus. Sie lebt wesentlich von ansprechend-metaphorischer Rede.<br \/>\n10.3. \u00a0\u00a0 \u00a0Die Begriffssprache des Theologischen Denkens kontrolliert die anredend-metaphorische Sprache der Predigt dahingehend, ob sie den H\u00f6rer auf die Geschichte Jesu Christi verweist. Dabei kommt es zur Formulierung der Lehre. Deren Reinheit h\u00e4ngt davon ab, ob sie ihrerseits auf die Wahrheit in Jesus Christus verweist und ob sie in je neuer Predigt praktisch werden kann.<br \/>\n10.4. \u00a0\u00a0 \u00a0Reine Lehre ist ein Zielbegriff der Dogmatik und geh\u00f6rt, sofern sie am Geschick des Denkens partizipiert, auf die Seite des Gesetzes. Sie hat die Aufgabe, die Offenbarung jeweils neu in ihr Ereignis zur\u00fcckzudenken. Dieses Ereignis ist mehr als ein Augenblicksgeschehen; es macht Geschichte.<br \/>\n11. \u00a0\u00a0 \u00a0Das Bekenntnis ist eine Zusammenfassung reiner Lehre durch die Kirche als Ganze. Es antwortet auf das<br \/>\nEreignis der Offenbarung und dient zur Abwehr konkreter H\u00e4resie.<br \/>\nEntscheidender Bekenntnissatz f\u00fcr die Auseinandersetzung mit den h\u00e4retischen Lehrmeinungen der<br \/>\nGegenwart ist f\u00fcr Barth die These 1 der Theologischen Erkl\u00e4rung der Bekenntnissynode von Barmen: &#8222;Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu\u00a0 h\u00f6ren, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>B<br \/>\nDas paradoxe Faktum der H\u00e4resie<br \/>\nI. Nat\u00fcrliche Theologie als H\u00e4resie der Gegenwart<\/strong><br \/>\n12.\u00a0\u00a0 Entscheidendes Kriterium zur Bestimmung gegenw\u00e4rtiger H\u00e4resie ist f\u00fcr Barth die Damnation von<br \/>\nBarmen 1:<br \/>\n&#8222;Wir verwerfen die falsche Lehre, als k\u00f6nne und m\u00fcsse die Kirche als Quelle ihrer Verk\u00fcndigung au\u00dfer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und M\u00e4chte Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.&#8220;<br \/>\n13.\u00a0\u00a0 \u00a0Derartige \u201eNebenzentren\u201c zur Wahrheit in Jesus Christus entstehen durch die nat\u00fcrliche Theologie. Barth unterscheidet zwei komplement\u00e4re Erscheinungsformen: Die &#8222;Kirche im Exze\u00df&#8220; und die &#8222;Kirche im Defekt&#8220;.<br \/>\n13.1.\u00a0\u00a0 \u00a0Die &#8222;exzessive&#8216; Kirche identifiziert das eine Wort Gottes mit den anderen wahren Worten, vor allem mit denen der Kirche. Sie verf\u00fcgt \u00fcber die Wahrheit, die doch nur als unverf\u00fcgbares Ereignis zu haben ist, und setzt sich damit selbst an die Stelle des lebendigen Herrn. Barth denkt hier vor allem an die r\u00f6misch-katholische Kirche und benennt als erkenntnistheoretischen Fehlansatz die durch E. Przywara interpretierte Lehre von der analogia entis. Die eigentliche Intention dieser Lehre hat Barth jedoch nur unzureichend erkannt.<br \/>\n13.2. \u00a0\u00a0 \u00a0Die &#8222;Kirche im Defekt&#8220; ist ihrer Sache nur halb gewi\u00df. Statt sich an die Wirklichkeit der Offenbarung zu halten, sucht sie Schutz bei irgendeiner Philosophie, um von dort aus zuerst nach der M\u00f6glichkeit des Glaubens zu fragen.<br \/>\nAls \u201eAhnherrn&#8220; dieser H\u00e4resie nennt Barth Schleiermacher, ist sich aber dessen Zeit seines Lebens nicht sicher. Deutlichster Exponent sind die &#8222;Deutschen Christen\u201c Auch Bultmanns Theologie, die Barth weithin mi\u00dfversteht, wird von ihm der H\u00e4resie verd\u00e4chtigt.<br \/>\n14. Die nat\u00fcrliche Theologie der &#8222;exzessiven&#8220; wie der &#8222;extravertierten\u201c Kirche hat zwar nicht das v\u00f6llige Unbekanntsein Gottes zur Folge, da Gottes Selbstkundgabe un\u00fcberwindlich auch in diesen Kirchen wirksam ist. Es entsteht jedoch nun auch in der Kirche jene unfa\u00dfbare Ambivalenz zwischen Gottes Bekanntsein und seinem gleichzeitigen Unbekanntsein.<br \/>\nStatt dem konkret-offenbaren Geheimnis Gottes in Jesus Christus nachzudenken, erstellt das Denken selbst einen abstrakten Gottesbegriff; bei dem dann Gott nur noch unzureichend, weil nicht konkret, vom Sein der Welt zu unterscheiden ist.<br \/>\n15. Zur particula veri nat\u00fcrlicher Theologie geh\u00f6rt ihr Interesse an der Menschlichkeit Gottes und an dem universalen Anspruch der Offenbarungsgeschichte. Beides bringt Barth in besonderer Weise zu Ehren durch sein christozentrisches Denken von ontologischer Relevanz:<br \/>\nDie Menschlichkeit Gottes entfaltet er in der Lehre vom Sein Jesu am Anfang bei Gott und den<br \/>\nuniversalen Anspruch der Offenbarung in der Lehre vom ontologischen und noetischen Zusammenhang<br \/>\nzwischen Jesus Christus und allen \u00fcbrigen Menschen.<br \/>\nDas Geheimnis der Menschlichkeit des Menschen in Jesus Christus ist der &#8222;Ankn\u00fcpfungspunkt&#8220;, nach dem<br \/>\nalle nat\u00fcrliche Theologie so vergeblich sucht.<\/p>\n<p><strong>II. H\u00e4resie als &#8222;christliches&#8220; L\u00fcgenwerk<\/strong><br \/>\n16. Die H\u00e4resie unterl\u00e4uft die subordinierten Entsprechungsverh\u00e4ltnisse der unterschiedlichen Zeugen Jesu Christi, indem sie andere wahre Worte niederer Stufe gleichberechtigt neben die einer h\u00f6heren Stufe stellt.<br \/>\n17.\u00a0 Barths Ausf\u00fchrungen zur H\u00e4resie entsprechen seinen Analysen zum Wesen der spezifisch &#8222;christlichen&#8220; L\u00fcge (KD IV\/3). Zwar hat er selbst dies nicht expliziert, es ergibt sich aber aus dem Zusammenhang seines Denkens:<br \/>\n17.1.\u00a0\u00a0 \u00a0Um H\u00e4retiker zu werden, mu\u00df man der Wahrheit in Jesus Christus schon direkt begegnet sein.<br \/>\nDas unterscheidet die H\u00e4resie vom Unglauben in Atheismus, Religion und Nostrifikation.<br \/>\n17.2. \u00a0\u00a0 \u00a0Dem wahrhaftigen Zeugen Jesus Christus gegen\u00fcber aber kann der Mensch aufgrund des ontologischen Zusammenhangs keine neutrale Haltung einnehmen. Eine Ignorierung ist nur noch in Form der L\u00fcge m\u00f6glich. Der L\u00fcgner weicht vor der Wahrheit mit der &#8222;Wahrheit&#8220; aus.<br \/>\n18. \u00a0\u00a0 \u00a0Die schon geschehene Zueignung des neuen Seins in Christus unterscheidet m.E. nicht nur den. Glaubenden, sondern auch den H\u00e4retiker vom Ungl\u00e4ubigen. Sie ist die Bedingung der &#8222;M\u00f6glichkeit\u201c des simul credens et haereticus.<br \/>\n18.1.\u00a0\u00a0 \u00a0Das neue Sein des Menschen extra se in Christus wird dem Glaubenden schon jetzt als &#8222;Sein des \u00dcbergangs&#8220; vom S\u00fcnder zum Gerechten zugeeignet. (W. Kr\u00f6tke).<br \/>\nErst aufgrund dieser Zueignung wird es &#8222;m\u00f6glich&#8220;, als iustus der Wahrheit direkt zu begegnen und ihr dennoch als peccator l\u00fcgnerisch auszuweichen.<br \/>\n18.2. \u00a0\u00a0 \u00a0H\u00e4resie ist der Versuch des Glaubenden als S\u00fcnder, die \u201aunumkehrbare\u2019 Folge des \u00dcbergangs vom peccator zum iustus dennoch umzukehren und so die Wahrheit der L\u00fcge nutzbar zu machen. So l\u00fcgt er sich im Versuch der Selbstsicherung aus der Geschichte des \u00dcbergangs in den vermeintlichen Stand des schon \u00dcbergegangenen.<br \/>\n18.3.\u00a0\u00a0 \u00a0H\u00e4resie ist Glaube im Ausweichen &#8211; ein Glaube, der in der Kraft seiner Wirklichkeit vor dieser Wirklichkeit flieht, ohne wirklich von ihr loszukommen.<br \/>\n<strong>19. <\/strong>Daraus ergibt sich folgende Definition zum Wesen der H\u00e4resie:<br \/>\n<strong>H\u00e4resie ist die unm\u00f6gliche Faktizit\u00e4t &#8222;christlicher&#8220; Lehre als L\u00fcge<\/strong><br \/>\nim Horizont des simul iustus et peccator,<br \/>\n<strong>die angesichts des Ereignisses der Wahrheit<br \/>\nJesus Christus als dieses Ereignis<br \/>\nauf verdeckte Weise leugnet.<\/strong><br \/>\n20. \u00a0\u00a0 \u00a0Da die L\u00fcge im Unterschied zur Wahrheit nicht einmal sich selbst treu bleibt, m\u00fcssen alle Definitionsversuche zur H\u00e4resie in besonderer Weise zeitgebundene Versuche bleiben.<br \/>\n21. \u00a0\u00a0 \u00a0Die Feststellung einer neuen H\u00e4resie kann nicht Aufgabe der Dogmatik sein. Sie geschieht durch die Kirche als Ganze im Zusammenhang einer neuen Bekenntnisentscheidung. Entsprechend Barths christozentrischem H\u00e4resiebegriff mu\u00df sich jede H\u00e4resie als eine christologische erweisen.<br \/>\n22. \u00a0\u00a0 \u00a0Weil sachgem\u00e4\u00dfe Theologie die eigene theologische Wirklichkeit nicht mit der Wahrheit verwechselt, wird sie auch nicht die vielfach fatale theologische Wirklichkeit anderer mit der Unwahrheit identifizieren. Vielmehr wird sie Wahrheitsanliegen und L\u00fcge zu differenzieren versuchen.<\/p>\n<p>23.\u00a0\u00a0\u00a0 Jede H\u00e4resiebestimmung zielt auf die Sache, nicht auf die Person, die auch im schlimmsten Fall aufgrund<br \/>\nder unverlierbar guten Seinsstruktur von der S\u00fcnde unterscheidbar bleibt.<br \/>\n24. Die \u00dcberwindung der H\u00e4resie wird zuerst und vor allem die Sache Jesu Christi selber sein. Unsere Bew\u00e4ltigung des Problems steht und f\u00e4llt mit der in ihm begr\u00fcndeten Siegesgewi\u00dfheit. Das ihr entsprechende christliche Tun besteht darin, den &#8222;Vorrang des Wortes Gottes&#8220; zu bedenken und durch unser Handeln zu best\u00e4tigen.<br \/>\n25. Keine Kirche kann so tief fallen, da\u00df ihr Seinsgrund ins Wanken k\u00e4me. Sie bleibt Kirche, wenn auch Kirche im Ausweichen vor ihrem eigenen Wesen.<br \/>\nMan wird die H\u00e4resie dabei behaften m\u00fcssen, da\u00df sie selbst Kirche sein m\u00f6chte und sie auf Jesus<br \/>\nChristus als ihren Seinsgrund verweisen. Eine Trennung von ihr kann f\u00fcr Barth h\u00f6chstens praktische,<br \/>\nnicht aber grunds\u00e4tzliche Bedeutung haben.<br \/>\n26.\u00a0\u00a0\u00a0 Solche Gelassenheit entspricht der Siegesgewi\u00dfheit im Blick auf Jesus Christus. Die L\u00fcge h\u00e4tte es nur zu gern, feierlich bek\u00e4mpft zu werden, denn eine Wahrheit, die zu ihrer Durchsetzung Gewalt ben\u00f6tigt, w\u00fcrde sich selbst als Wahrheit desavouieren. Stattdessen wird es darauf ankommen, da\u00df der H\u00e4retiker als Verk\u00fcndigung ein befreiendes Wort h\u00f6rt und als Lehre eine Dogmatik, die den &#8222;Vorrang des Wortes Gottes&#8220; wahrt.<br \/>\n27. \u00a0\u00a0 \u00a0Wenn die Kirche gar nicht zur Un-Kirche werden kann, weil die Herrschaft Jesu Christi auch in der h\u00e4retischen Kirche noch immer gr\u00f6\u00dfer ist als die der L\u00fcge, so wird man m.E. auch einer h\u00e4retisch lehrenden Kirche die kirchliche Gemeinschaft anbieten k\u00f6nnen. Voraussetzung einer solchen Union w\u00e4re allerdings, da\u00df der Streit um Wahrheit und L\u00fcge ungehindert weitergeht.<br \/>\n28. \u00a0\u00a0 \u00a0Die ontologische Relevanz der christologischen Begr\u00fcndung Barthscher Theologie garantiert, da\u00df das die christlichen Kirchen Verbindende in jedem Fall gr\u00f6\u00dfer ist als das Trennende. Sie erm\u00f6glicht die Vision einer Kirche, die die H\u00e4resien f\u00fcr immer in sich selbst austr\u00e4gt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>THESEN zur \u00f6ffentlichen Verteidigung der Dissertation Das Wesen der H\u00e4resie Untersuchungen zum H\u00e4resieverst\u00e4ndnis Karl Barths im Zusammenhang seiner theologischen Erkenntnislehre vorgelegt von Konrad Elmer 1.\u00a0\u00a0 \u00a0Jeder Bestimmung von H\u00e4resie mu\u00df die Erarbeitung reiner Lehre vorausgehen. 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